Full text: Vergangenheit und Zukunft der Sozialwissenschaften

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Und die historischen Entwicklungsgesetze und die 
Theorien der Geschichte — in neuem Gewand tauchen 
sie alle wieder auf. 
Das alles lehrt uns eine große Wahrheit: Einmal 
begründete Eichtungen werden nicht so leicht über 
wunden. Ein vollständiger Sieg über sie, eine Neu 
schaffung der Wissenschaft von Grund auf — das 
mag wohl oft angestrebt werden, aber das gelingt 
nicht. Der oberflächlichen Betrachtung stellt sich die 
Sache ja anders dar. Ihr kann es scheinen, wie wenn 
Eichtungen einander ablösen würden, wie wenn das 
Vergangene jeweils tot und überwunden wäre. Auch 
dem Parteimann, der in seiner Sichtung lebt und 
webt und nur sie begreift, kann das scheinen. Dieser 
Schein wird erzeugt dadurch, daß eine jede Sichtung, 
die sich als „neu“ fühlt, so viel Staub auf wirbelt, und 
daß der Blick des Beobachters vor allem auf diese 
Staubwolken der Kontroversen, programmatischen 
Äußerungen usw. fällt. Das Marktgeschrei hat wirk 
lich immer andere Schlagworte und Schlachtrufe. 
Aber das alles kann die wissenschaftliche Arbeit wohl 
einerseits stören und andrerseits — durch das dadurch 
erweckte Interesse — fördern, aber in ihrer Tiefe 
wird sie dadurch nicht berührt. Wie bei einer Segel 
regatta die Wellen die Boote oft zu begraben scheinen 
und dennoch die Segler ihren Weg durchmessen, so 
verdeckt der Schaum und -Lärm der Wellen der 
Kontroversen und Schulenprogramme wohl den Fort 
gang der Forscherar beit, aber er vernichtet sie nicht. 
Und unter der Oberfläche, da gibt es keine prinzi 
piellen Gegensätze, da gibt es nur Zusammenarbeiten
	        
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