Die Naturthilosoßhie.
(ut unam reddat totius mundi machinam).”) Der Mechanismus
selbst und seine allumfassende Geltung lässt sich somit nicht
denken ohne den Gedanken der Allbeseelung. Dieser Gedanke
bildet — auf der Stufe der Betrachtung, auf der wir uns hier beinden
— keine spezielle metaphysische Annahme, die zu dem Stoff
ınd Inhalt der Erfahrung von aussen her ergänzend hinzuträte:
er ist geradezu die Voraussetzung für die erste Aussprache und
Formulierung des Naturproblems selbst. In dem Bilde des Kosmos,
das sich jetzt vor uns darstellt, drückt sich in symbolischer
Hülle zuerst die strenge und allgemeine Forderung der durchzehenden
causalen Gesetzlichkeit aus, vermöge deren ‘jede
Einwirkung, die auf einen einzelnen Punkt geübt wird, sich in
ihren Folgerungen auf die Gesamtheit aller Erscheinungen weiterarstreckt.
„Wie im menschlichen Körper die Bewegung des einen
Gliedes die des andern hervorruft und wie auf einer Laute bei
Berührung einer Saite alle andern mitschwingen, so wird jede
Bewegung eines Teils der Welt in allen anderen verspürt und
aachgeahmt“.®) Der Begriff des Weltorganismus, der hier erveicht
wird, ist die erste Form, in die der Gedanke der Immanenz
und Selbstgenügsamkeit der Naturgesetze sich kleidet. Jetzt
kann keine Veränderung mehr durch fremde Willkür — sie sei
menschlicher oder „dämonischer“ Art — gesetzt werden, wenn
sie nicht zugleich durch die eigenen Bedingungen, die in dem
momentanen Zustand der Dinge und ihrem inneren Entwicklungsgesetz
liegen, bestimmt und vorgeschrieben ist, Selbst der Ge-Janke
der Magie, der die gesamte Auffassung Agrippas durchdringt
und beherrscht, erhält daher ein neues Ziel. Wir sahen,
wie bereits im Mittelalter Magie und Astrologie dazu dienten, im
Gegensatz zu dem religiösen Subjektivismus die Auffassung der
Natur als einer objektiven Macht, die durch selbständige Gesetze
geleitet wird, zu behaupten und zu bekräftigen. (Vgl. ob. S. 149 f.)
Jetzt dringt diese Auffassung weiter, indem an Stelle der Magie
der Symbole und Zeichen eine „natürliche Magie“ sich entwickelt,
die die Dinge nicht mehr durch die geheime Kraft des Wortes,
sondern durch die Beherrschung ihrer regelmässigen inneren Anlagen
und Fähigkeiten zu meistern gedenkt. Diese Wandlung,
die ihren Ausdruck und Abschluss im 16. Jahrhundert in dem
jekannten Werk Giambatista Portas über die natürliche Maegie