Full text: Wirtschaftspolitisches Handbuch von Rumänien

Entwicklung in den Donaufürstentümern 125 
allzu häufigen Zuwendungen ausgedehnter Güter an Klöster — 
deren es beispielsweise in der Walachei allein schon anfangs des 
16. Jahrhunderts über 400 gab — der Landbesitz des Fürsten bei 
nahe erschöpft war. Um bei den unvermeidlichen Erbteilungen und 
ewigen Brandschatzungen das Vermögen und damit die Vorzugs 
stellung trotzdem zu behaupten, blieben ihnen nur die Hofämter 
übrig, deren Sporteln reichlich flössen und durch Mißbrauch will- 
türlich erhöht werden konnten. Allgemein drängten sie sich daher 
zu den Ämtern. Da aber die üblichen 14 bis 20 Hofwürden für 
die Fülle der Bewerber nicht ausreichten, mußten weitaus die meisten 
unbefriedigt bleiben. Selbstverständlich erregte dies ihren größten 
Unwillen; drohte ihnen doch die Gefahr, daß bei längerer Ent 
fernung von den Ämtern sie und ihre Nachkommen zu Mazilen, 
und die letzteren, wenn sie endlich zur Teilung eines Gutes würden 
schreiten müssen, zu Rezeschen herabsinken und die Anwartschaft 
auf Hofämter verlieren würden. Mit dem Momente ihrer Über 
gehung wurden sie daher zu Feinden des Fürsten, arbeiteten, um 
sich die Aussicht einer Wiederernennung zu eröffnen, auf seinen 
Sturz hin und führten insbesondere Beschwerde bei der zur Ent 
gegennahme von Klagen stets bereiten Pforte, die diesen Anlaß 
zu erneuerter Schröpfung des Fürsten ausnützte. Statt Abhilfe 
zu schaffen, verschlechterten die Bojaren durch diesen Vorgang nur 
ihre Lage und schufen sich eine unwillkommene Konkurrenz. Denn 
der ausgesogene und verschuldete Fürst mußte neue Schulden machen, 
zur Sicherstellung seiner griechischen Eläubigersich Vertrauensmänner 
derselben in seiner Umgebung gefallen lassen und sie mit den wichtig 
sten Ämtern, insbesondere mit jenem des Schatzmeisters (vistiernio) 
bekleiden. Diese Vertrauensmänner zogen wieder eine ganze Schar 
weiterer Griechen als Unterorgane zu Steuereinhebungszwecken nach 
sich, die sich einnisteten und ihrerseits Ämter erstrebten und auch 
erlangten, zumal sie sich auf rücksichtslose Steuereintreibung viel 
besser verstanden, als die Einheimischen. Schon zu Beginn des 
17. Jahrhunderts war die Zahl der griechischen Eindringlinge so 
groß und ihre Konkurrenz so unleidlich, daß die Bojaren in beiden 
Fürstentümern einen förmlichen Aufstand gegen sie veranstalteten 
und die Ernennung griechenfeindlicher Fürsten durchsetzten. Doch 
gerieten gerade diese Fürsten (Matei Basarab in der Walachei und 
Vasile Lupu in der Moldau), um sich behaupten zu können, in 
womöglich noch größere Abhängigkeit von den Griechen. Seitdem 
endlich nur Fanarioten zu Fürsten ernannt wurden, überfluteten 
die Griechen förmlich beide Fürstenhöfe und rissen alle Hofämter 
an sich. Um sie wiederzuerlangen, waren die Bojaren bereit, sogar 
ihr Vaterland zu opfern. AIs 1768 der russisch-türkische Krieg aus-
	        
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