E ntwicklung in den Donaufür st entü in ern 129
erzeugte die auch heute noch andauernde Vorliebe für französisches
Wesen. In Paris nahmen die jungen Bojaren die Ideen der fran
zösischen Revolution in sich auf und kehrten, voll feuriger Begei
sterungfür „libsrtö, sgaltts und kratsrrüts", dagegen aber mit recht
oberflächlichen Kenntnissen und geringem sittlichen Ernste zurück.
Sie eigneten sich den französischen Phrasenschwall, aber durchaus
nicht die französische Arbeitsfreudigkeit an. An dem Geiste der
Bojarenklasse änderten sie wenig.
Noch schlimmer als den Bojaren erging es den Freibauern,
den „mo$neni“ unb „reze^i“. Schon die endlosen Sukzessionskriege
der alten Zeit, an denen sie mit eigenen Waffen und Pferden und
auf eigene Kosten teilzunehmen verpflichtet waren, stellten über
große Ansprüche an ihre materielle Leistungsfähigkeit. Als aber
die Fürsten Söldner zu halten begannen, nahmen die Zahlungen
kein Ende. Geradezu unerschwinglich wurden sie zur Zeit der Lizi
tation der Fürstenwürde und der periodisch wiederkehrenden Er
höhung des Tributs. Zur Deckung desselben war die Kopfsteuer
(bir) bestimmt, die mit der Zeit auf 1 Dukaten jährlich pro Familie
anwuchs und —wie erwähnt — in vier Quartalsraten ,,$ferturi“
zu bezahlen war. Die Fürsten hoben jedoch die Quartalsraten
zweimal im Monate, also 24 mal im Jahre, ein und preßten auf diese
Weise im Jahre 6 Dukaten, eine für die damalige Zeit unerschwing
liche Summe heraus. Dazu mußte der „bitt' in barem Gelde ge
zahlt werden, und das Bargeld war bei der bestehenden Natural
wirtschaft und der Unmöglichkeit jedes Handels mit Bodenprodukten
infolge ihrer Beschlagnahme durch die Türken eine seltene Sache.
Konnte esabernichtrechtzeitigbeschafftwerden,dannverfielwegender
althergebrachten Solidarhaftung das ganze Dorf dem Fürsten und
wurde ihm hörig. Um diese nachteilige Folge zu vermeiden, liehen die
Freibauern das nötige Geld vomnächstenBojarenausundverschrieben
sich ihmdafür. Da sie fastimmer die Schuld der neuenSteuern wegen
nicht rückzuzahlen vermochten, wurden sie samt ihrem Eigentums
ihm untertan. Immer zahlreicher werden vom Anfange des sieb
zehnten Jahrhunderts an die Urkunden, welche die Hörigkeit der
Freibauern begründen. Manche Bojaren erwarben auf diese Weise
Hunderte von Gütern, so die heute ausgestorbene Familie Buzescu
ihrer 300. Die Freibauern, der ehemalige Kern der tapferen Heere
Mircea des Alten und Stefan des Großen, die die Türken wieder
holt geschlagen hatten, verschwanden — von wenigen Ausnahmen
in den Bergen der Vrancea und am Rande Beßarabiens abgesehen
— und mit ihnen sanken in die Knechtschaft herab auch die zu Re-
zeschen gewordenen Nachkommen der in Ungnade gefallenen Bo
jaren. Die Urenkel der tapferen Häuptlinge, die mit ihrem Blute
Onciul, Rumänien g