thumbs: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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bauern, die am meisten den Versuchungen zur Unmäßigkeit aus- 
gesetzt waren‘). 
Wechselvoll und schwankend war, wie schon 
berührt; das äußere Schicksalder Landwirtschaft 
und mehr denn je abhängig von den Konjunkturen, wie sie der 
Ausfall der Ernten und die weltwirtschaftliche Lage schufen. Zu- 
nächst begünstigten den niederländischen Landbau hohe Getreide- 
preise. Hogendorp?) pries 1816 den blühenden Landbau 
seines Heimatlandes, der sich auf Getreide, Gemüse, Obst, Flachs, 
Hanf, Tabak, Hopfen erstreckte, und die große Vieh- und Pferde- 
zucht. Dann kam aber rasch der Umschlag. Um 1820 begann 
überall in Europa ein Preisrückgang in Getreide. Gegenüber den 
verflossenen langen Kriegsjahren traten nun wieder normale Ver- 
hältnisse ein, und diese brachten naturgemäß einen Preisfall; 
außerdem erschien nun Rußland mit seiner Getreidezufuhr vom 
Schwarzen Meer her als billiger Produzent auf dem Markte. Für 
die Niederlande kamen erschwerend hinzu die hohen Einfuhrzölle 
Frankreichs, Spaniens, Portugals und Preußens, während England, 
das namentlich von Groningen aus in großem Maßstabe mit Hafer 
versehen worden war, 1819 sich gegen die Einfuhr fremden Getreides 
völlig abschloß. Ferner war der Rückgang des eigenen Handels 
dem inneren Verbrauch nicht günstig. In den Generalstaaten be- 
klagte im Oktober 1822 Hogendorp diesen Zustand, der 
für die Landwirtschaft sehr schmerzlich sei und die Höhe der Grund- 
lasten schwer empfinden lasse®). Im Oktober 1823 war in Gro- 
ningen der Preis für Weizen 3,65, für Roggen 3,15, Gerste 2, Hafer 
1,20, Buchweizen 2,90, während 1804—1822 ein mittlerer Preis 
für diese Brotfrüchte von 8,86 bzw. 6,65 bzw. 3,22 bzw. 3,16 bzw. 
5,66 Gulden bestanden hatte*). Der Rückgang traf in erster Linie die 
großen Bauern und in ihrer Folge auch dieArbeiter ; die Wirkungzeigte 
sich in Groningen in einer großen Menge von Zwangsverkäufen. Aber 
auch in Gelderland herrschten traurigeZustände. Sie wurden noch ver- 
schlimmert durch eine Anzahl großer Überschwemmungen, die gerade 
in jenen Jahren, namentlich 1820 und 1825, das Land heimsuchten. 
l) Frost; 5. 478 ff, 
3 Hogendorp, I, ı31ff; 
3) Hogendorp, VI, 396 {ff 
‘) Blink, Geschiedenis, II, 296. Gewichtseinheit war die Last. 
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