tisations-Syndikats schwer gelitten hatte, war das
höchst bedauerlich‘).
Langsam wurde nun auch an den tatsächlichen Abbau
der Hierrenrechte gegangen, nachdem sie 1814 zum Teil
wiederhergestellt waren. Die schon 1798 vorgesehene Ablösung
der Zehnten war auf dem Papier geblieben. Völlig abgeschafft
wurden sie erst durch das Gesetz vom ı2. April 1872, indem sie
als ablösbar erklärt wurden; das Gesetz vom 16. Juli 1907 regelte
dann ihre Ablösung, und mit dem ı. Januar 1909 waren sie ganz
beseitigt?). Das entlastete namentlich die Provinzen Nordbrabant,
Gelderland, Seeland und Südholland.
In den inneren Verhältnissen derLandwirt.-
Schaft und Viehzucht vollzogen sich im 18. Jahrhundert
bis zur Gegenwart ungeheure Wandlungen; sie waren
die Folge der wirtschaftlichen, politischen und technischen Ver-
änderungen wie auch des Umschwungs der Verkehrsverhältnisse.
Doch verbietet sich durchaus ein einheitliches Urteil über das ganze
Land; unberührt von der politischen Zentralisierung bestanden
wirtschaftlich noch immer große provinzielle und landschaftliche
Unterschiede. So war das Pachtwesen außerordentlich mannig-
faltig. Während im Anfang des 20. Jahrhunderts in Seeland, dem
westlichen Nordbrabant und auf den besseren Böden Limburgs
noch immer Bauern seit Geschlechtern auf demselben Hof saßen
und eine verhältnismäßig geringe Pacht an den meist adeligen,
oft im Auslande wohnenden Grundeigentümer zahlten, waren in
Holland und vielfach auch in Utrecht oft die Bürger der Städte
die Eigentümer der Höfe, die sie kaum dem Augenschein nach
kannten®). In Friesland dagegen war im Mittelalter die reiche Bauern-
aristokratie die Eigentümerin des Grundes und Bodens gewesen; mit
der Zeit zog sie sich aus der Bewirtschaftung der Höfe zurück und
übertrug diese an Pächter. Das gab für diese kein gutes Verhältnis,
*) Ned. Landbouw, S. 332 f. Über die Waldwirtschaft Näheres bei Blink,
II, 497 ff. Von 1833 bis 1913 nahm die mit Wald bedeckte Oberfläche von 169 026
auf 257 939 Hektar zu (Blink,S. 515; Jaarcijfers, 1913, S. 189). Über die man-
gelnde Waldkultur schon Löhnis, Boscheultuur in Nederland (De Economist,
1880, S. 1137 f£f.).
2?) Ned. Landbouw,: S. 631 Amndriessen en van Lis;:S. 10716
3) So schildert 1808 Niebuhr (Circularbriefe, S. 64 f.) das Pachtver-
hältnis zwischen dem Bankier de Smeth und seinen Bauern im Utrechtschen.