Zahl und Gliederung der Bevölkerung 11
nicht verwendet. Eine oder zwei Kisten, ein Tisch und längs der
Wände eingerammte Bänke bilden das ganze Mobiliar. Oft haben
die Fenster keine Glasscheiben und sind mit Papier verklebt. Die
Wohnungsverhältnisse sind daher in Rumänien, insbesondere auf
dem Lande, elend.
Ihnen entsprechen auch die Gesundheitsverhältnisse.
Ansteckende Krankheiten sind weit verbreitet. 1911 wurden auf
dem Lande 13 499 Fälle von Scharlach, 35325 von Masern, 4511 von
Diphtherie, 8818 von Typhus, 1793 von Dysenterie, 18135 von
Keuchhusten und in den Städten 3291 Fälle von Scharlach, 2316 von
Masern, 2277 von Diphtherie, 1766 von Typhus, 156 von Dysenterie
und 907 von Keuchhusten gezählt. Die Lungentuberkulose fordert
zahlreiche Opfer. Die Stadt Bukarest weist unter allen europäischen
Großstädten die höchste Ziffer von Todesfällen an Lungenschwind
sucht auf. Die Cholera tritt in gewissen Bezirken im Mündungs
gebiete der Donau fast jedes Jahr vereinzelt auf; dazu kommen
ausgesprochene Degenerationskrankheiten wie Kropf, Blödsinn und
merkwürdige Fälle von Irrsinn. Charakteristisch für Rumänien
sind ferner die zahlreichen Magenerkrankungen und die Pellagra, die
in der fast ausschließlichen Ernährung mit Mais ihren Grund haben.
Um die Krankheiten zu bekämpfen, wurden bereits 1864 die
Gemeinden und Kreise zur Pflege der Kranken und Irren, sowie
zur Errichtung von Kranken- und Irrenhäusern angehalten. Da die
Veranstaltungen dieser Körperschaften trotz des Sanitätsgesetzes
vom Jahre 1874 sich als unzulänglich erwiesen, wurden im Zeit
raume von 1881 bis 1897 von Staats wegen Krankenhäuser in allen
Kreisen errichtet, neben welchen die von den Kreisen und Gemeinden
ins Leben gerufenen Spitäler weiter in Tätigkeit verblieben. In Buka
rest und Jassy endlich bestehen seit altersher reich dotierte Stiftungs
krankenhäuser, wie das schon 1696 errichtete Spital Colhea. Die
Verwaltung aller dieser Anstalten wurde zuletzt durch das Gesetz
vom Jahre 1910 geregelt und obliegt drei Körperschaften und zwar
einerseits der Eeneraldirektion des Sanitätsdienstes, von welcher die
aus öffentlichen Mitteln erhaltenen Krankenhäuser, andererseits den
Ephorien der Zivilspitäler in Bukarest und Jassy und derBrancovan-
Anstalten, von welchen die Stiftungsspitäler ressortieren. Öffentliche
Krankenhäuser gab es 1911 insgesamt 168 mit 4301 Betten. Die
Zahl der Stiftungsspitäler betrug 23 mit 2363 Betten. In allen
diesen Krankenhäusern wurden 111434 Kranke durch zusammen
1607481 Krankheitstage unentgeltlich verpflegt und 2193840 Per
sonen ambulatorisch behandelt.
Zur Unterstützung der Gesundheitspflege bestehen noch bakterio
logische Laboratorien, Serumerzeugungs-Anstalten, antirabische Jn-