Full text : Wirtschaftspolitisches Handbuch von Rumänien

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Kulturelle  Verhältnisse

auch  auf  die  Donaufürstentümer  über  und  gibt  dort  den  Anstoß  zu
fruchtbarer  literarischer  Betätigung.  In  der  weiteren  Entwicklung  der
rumänischen  Literaturlassen  sich  dreiAbschnitte  unterscheiden;  der  erste
(1830—66)  kennzeichnet  sich  durch  große  Begeisterung,  aber  durch  eine
gewisse  Oberflächlichkeit  und  vollständigen  Mangel  an  kritischem  Geist.
Die  betreffende  Richtung  führte  zu  einem  leeren  Wortschwall  und
zur  Verunreinigung  der  Sprache  mit  lateinischen,  französischen  und
italienischen  Floskeln.  Dem  zweiten  Abschnitte  eignet  größere  Objektivität ­
  und  Wissenschaftlichkeit  sowie  das  Bemühen,  zur  Volkssprache
zurückzukehren.  Im  dritten,  neuesten  Abschnitte  endlich  fixiert  sich  die
Sprache,  wird  volkstümlich,  fließend  und  biegsam,  und  der  Inhalt  paßt
sich  vollständig  dem  Zeitgeiste  an.  Das  Produkt  dieser  Periode  ist
eine  zwar  nicht  umfangreiche,  aber  gediegene  Literatur.  Namentlich ­
  auf  dem  Gebiete  der  Lyrik  und  des  Romans  braucht  sie
rücksichtlich  der  Qualität  den  Vergleich  mit  der  modernen  Literatur ­
  aller  anderen  Kulturvölker  nicht  zu  scheuen;  auf  dem  Gebiete ­
  der  Dramatik  allerdings  sind  die  Leistungen  minder  vorkommen.*) ­

In  der  Architektur  ist  es  eine  eigentümliche  Verbindung  von
Holz-  und  Steinbau,  die  den  rumänischen  Stil  charakterisiert.
Dieser  ist  in  neuester  Zeit  durch  rumänische  Architekten  auf  das
glücklichste  in  ländlichen  und  sogar  in  reichen  städtischen  Villenbauten
ausgestaltet  worden.  Weniger  Eigenart  weisen  die  neuen  Monumentalbauten ­
  auf.  Sie  haben  westeuropäische  Prunkfassaden  meist
in  französischem  Geschmack.  Dagegen  hat  sich  die  Kirchenbaukunst  in
wenigen  alten  Bauten  zu  besonderer  Originalität  entwickelt.  Berühmt ­
  vor  allem  ist  die  Kirche  von  Curtea  de  Arge?,  die  mit  großer
Verschwendung  von  feinsten  asiatischen  und  griechischen  Marmororten, ­
  reichster  Bildhauerarbeit  und  prachtvollen  Mosaiken  ausgestattet ­
  ist  und  als  eines  der  schönsten  Bauwerke  des  Orients  gilt.
Die  Skulptur  und  Malerei  in  Rumänien  hat  sich  von  der
alten  kirchlichen  Tradition  losgesagt,  in  der  französischen  Schule
Tüchtiges  gelernt  und  mehrere  Künstler  von  bedeutender  Eigenart
hervorgebracht.
Die  rumänische  Musik  endlich  hat  ihre  charakteristische  nationale ­
  Note.  Sie  bewegt  sich  meist  in  Moll  und  ist  außerordentlich
melodiös,  bald  todtraurig  (wie  in  der  „Doina"),  bald  ausgelassen
lustig.  Gepflegt  wird  sie  nicht  bloß  in  den  Konservatorien,  sondern
vom  ganzen  überaus  musikliebenden  Volke.  Ihre  Hauptträger
sind  die  in  Rumänien  sehr  verbreiteten  „läutari".

*)  Bgl.  Enciclopedia  rom&na,  S.  791  ff.
            
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