Full text: Fortschritt und Armut

Hop. HI. Folgerungen aus Analogien. 
herausrechnen, wie das von Malthus, nämlich, daß der Zunge im Alter 
von zehn Zähren so schwer wie ein Gchs, mit zwölf so schwer wie ein 
Elefant und mit dreißig nicht weniger als J75 ?;<5 339 5^8 Tonnen 
schwer sein würde. 
Tatsächlich haben wir nicht mehr Grund, uns über den Druck der 
Bevölkerung auf den Unterhalt zu beunruhigen, als Adam, sich wegen 
des schnellen Wachstums seines Bab^s zu quälen. Soweit eine Folgerung 
durch Tatsachen wirklich gerechtfertigt und durch Analogie nahe gelegt 
ist, so ist es die, daß das Bevölkerungsgesetz dieselben schönen Anpassungen 
enthält, wie die Forschung sie uns schon bei anderen Naturgesetzen nach 
gewiesen hat, und daß die Annahme, der Fortpflanzungstrieb strebe 
dahin, in der natürlichen Entwicklung der Gesellschaft Elend und Laster 
hervorzubringen, ebensowenig berechtigt ist, als wenn wir annehmen 
wollten, daß die Anziehungskraft den Mond auf die Erde und die Erde 
auf die Sonne schleudern müsse, oder daß, weil bei niedrigerer Tempe 
ratur als 0 Grad das Wasser gefriert, nun bei jedem Frost Flüsse und Seen 
bis auf den Grund zufrieren, und die gemäßigten Zonen der Erde selbst 
in gelinden Wintern dadurch unbewohnbar gemacht werden müßten. 
Daß außer den Malthusschen positiven und vorbauenden Hemmungen 
uoch eine dritte besteht, die mit der Erhöhung des Wohlstands-Niveaus 
und der geistigen Entwicklung ins Spiel kommt, darauf weisen viele 
wohlbekannte Tatsachen hin. Das Verhältnis der Geburten ist in neuen 
Ansiedlungen, wo der Rampf mit der Natur wenig Spielraum für 
geistiges Leben übrig läßt, sowie unter den mit Armut geschlagenen 
Rlassen alter Länder, die inmitten des Reichtums aller seiner Vorteile 
bar und zu einem nicht viel besseren als tierischen Dasein verurteilt 
sind, notorisch größer als unter denjenigen Rlassen, denen ein zunehmen 
der Wohlstand Unabhängigkeit, Muße, Behaglichkeit und ein volleres 
und abwechselnderes Leben gebracht hat. Diese, in dem bekannten 
englischen Sprichwort „dem reichen Manne Glück, dem Armen Rinder" 
längst anerkannte Tatsache war auch Adam Smith nicht entgangen, 
welcher anführt, daß es nicht ungewöhnlich sei, ein armes halbverhungertes 
lVeib der Hochlande zu finden, das Mutter von 23 oder 24 Rindern sei; 
und sie ist überhaupt allenthalben so deutlich zu beobachten, daß sie nur 
erwähnt zu werden braucht. 
Wenn das wirkliche Gesetz der Bevölkerung so lautet, wie es nach 
nreiner Ansicht lauten muß, so ist die Vermehrungstendenz nicht immer 
eine gleichförmige, sondern da stark, wo eine größere Bevölkerung er 
höhten Wohlstand verlechen würde, und wo die Fortdauer des Ge 
schlechts von der durch ungünstige Umstände herbeigeführten Sterblich 
keit bedroht ist, und schwächt sich ab, sobald die höhere Entwicklung des 
Dlenschen möglich wird und die Fortdauer des Geschlechts gesichert 
ksk- Mit anderen Worten: das Bevölkerungsgesetz stimmt mit dem 
besetz der geistigen Entwicklung überein und ist demselben untergeordnet, 
^ud die Gefahr, daß menschliche Wesen in eine Welt gesetzt werden 
George, Fortschritt und Arinnt. 6
	        
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