Full text : Fortschritt und Armut

sZH  Die  Gesetze  der  Verteilung.  Buch  III.

unter  allen  Parteien,  welche  in  den  nationalökononrischen  Forschungen
stets  vorausgesetzt  werden  muß,  den  pachtpreis  bestimmt,  heißt  das
Gesetz  der  Rente.  Dies  festgehalten,  haben  wir  mehr  als  einen  Ausgangspunkt, ­
  von  dem  die  den  Lohn  und  den  Zins  regulierenden  Gesetze  verfolgt ­
  werden  können.  Denn  da  die  Güterverteilung  eine  Teilung  ist,
so  genügt  es,  den  auf  die  Grundrente  entfallenden  Teil  des  Produkts
festzustellen,  um  gleichzeitig  auch  festzustellen,  was  für  den  Lohn  übrig
bleibt,  wo  kein  Kapital  mitwirkt,  oder  was  für  Lohn  und  Zins  zusammen
übrig  bleibt,  wo  das  Kapital  bei  der  Produktion  mitwirkt.
Glücklicherweise  ist  es  nicht  notwendig,  das  Rentengesetz  zu  erörtern.
Die  Autorität  fällt  hier  mit  dem  gefunden  Menschenverstände  zusammen  *),
und  der  Ausspruch  der  herrschenden  Nationalökonomie  hat  den  selbstverständlichen ­
  Tharakter  eines  geometrischen  Lehrsatzes.  Dies  Rentengesetz, ­
  welches  John  Stuart  Mill  die  Eselsbrücke  der  Nationalökonomie
nennt,  wird  bisweilen  als  Ricardos  Rentengesetz  bezeichnet,  weil  Ricardo
zwar  nicht  der  erste  war,  der  es  aussprach,  «her  doch  der  erste,  der  es  in
hervorragender  Weise  zur  Kenntnis  brachte**).
Ls  lautet:
Die  Rente  von  Grund  und  Boden  wird  bestimmt
durch  den  Überschuß  seines  Ertrages  über  den  bei
gleicher  Aufwendung  von  Mitteln  von  dem  mindest
einträglichen  Boden,  der  in  Benutzung  ist,  zu  erzielenden ­
  Ertrag.
Dies  Gesetz,  welches  natürlich  auch  auf  Grund  und  Boden  anwendbar ­
  ist,  der  anderen  Zwecken  als  dem  Ackerbau  dient,  sowie  auf
alle  Naturfaktoren,  wie  Bergwerke,  Fischereien  usw.,  ist  von  allen  leitenden ­
  Nationalökonomen  seit  Ricardo  erschöpfend  erklärt  und  mit  Beispielen ­
  belegt  worden;  aber  schon  der  bloße  Wortlaut  hat  die  volle  Kraft
eines  selbstverständlichen  Satzes,  denn  es  ist  klar,  daß  die  Wirkung  der
Konkurrenz  darauf  hinausgeht,  die  niedrigste  Belohnung,  für  welche
die  Arbeit  und  das  Kapital  sich  auf  die  Produktion  einlassen,  zu  der
höchsten  zu  machen,  die  sie  fordern  können,  und  somit  den  Besitzer  produktiveren ­
  Landes  in  den  Stand  zu  setzen,  sich  in  der  Grundrente  den
*)  Ich  will  damit  nicht  sagen,  daß  das  angenommene  Rentengesetz  nie  bestritten
worden  sei.  Bei  alle  dem  Unsinn,  der  unter  den  gegenwärtigen  zerfahrenen  Verhältnissen ­
  der  Wissenschaft  als  Nationalökonomie  gedruckt  worden  ist,  wäre  es  schwer,  irgendetwas ­
  zu  finden,  das  nicht  bestritten  worden  ist.  Aber  ich  will  damit  sagen,  daß  es  die  Billigung ­
  aller,  wirklich  als  Autoritäten  anzusehender  Schriftsteller  des  Faches  hat.  wie
John  Stuart  Mill  (Buch  II,  Aap.  ;s)  sagt:  „Nur  wenige  haben  ihm  ihre  Zustimmung
versagt,  außer  wenn  sie  es  nicht  vollständig  verstanden  haben.  Die  unzusammenhängende
und  ungenaue  Art,  in  der  es  oft  von  denjenigen  aufgefaßt  wird,  die  sich  das  Ansehen
geben,  es  zu  widerlegen,  ist  sehr  merkwürdig."  Diese  Bemerkung  ist  in  der  Folge  durch
manche  spätere  Beispiele  bestätigt  worden.
**)  McLulloch  zufolge  wurde  das  Rentengesetz  zuerst  im  Jahre  \ri7  in  einer
Fluölchrist  von  Vr.  James  Anderson  von  Edinburgb  dargestellt  und  danach  zu  Anfang
dieses  Jahrhunderts  gleichzeitig  von  Sir  Edward  West,  Malthus  und  Ricardo.
            
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