Kap. V.
Das Gesetz des Zinses.
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die das Gleichgewicht herstellt oder vielmehr dessen Störung verhindert,
ohne Schwierigkeit vor sich gehen, welche Hindernisse auch bestehen
mögen, wo die Trennung eine vollständige ist. Und ferner muß man sich
erinnern, daß, wie früher bemerkt wurde, das Kapital nur ein Teil der
Güter ist und sich von den Gütern im allgemeinen nur durch den Zweck,
dem es gewidmet ist, unterscheidet; und daher hat die Gesamtheit der
Güter auf die Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit dieselbe aus
gleichende Wirkung, wie ein Schwungrad auf die Bewegung der Ma
schine: sie nimmt Kapital auf, sobald zu viel vorhanden ist und läßt es
wieder los, sobald Mangel daran entsteht, ähnlich wie ein Juwelier
seiner Frau Diamanten zum Tragen geben kann, wenn er Überfluß
daran hat und sie wieder in seinem Laden ausstellt, wenn sein Vorrat
zusammengeschmolzen ist. So muß jede Tendenz des Zinsfußes, über
das Gleichgewicht mit dem Lohne zu steigen, sofort nicht nur eine Tendenz
erzeugen, Arbeit auf die Produktion von Kapital, sondern auch die Ver
wendung von Gütern aus die Zwecke des Kapitals zu lenken, während
jede Tendenz des Lohnes, sich über das Gleichgewicht mit dem Zins
zu erheben, in gleicher Weise nicht nur eine Tendenz erzeugen muß,
Arbeit von der Kapitalproduktion abzulenken, sondern auch das Ver
hältnis des Kapitals dadurch zu vermindern, daß manche der Güter,
aus denen das Kapital besteht, von produktiven Zwecken auf nicht
produktive abgeleitet werden.
Rekapitulieren wir: Zwischen Lohn und Zins besteht, durch Ur
sachen festgestellt, die, wenn sie auch nicht absolut dauernd sind, sich doch
nur langsam verändern, eine gewisse Beziehung oder ein gewisses Ver
hältnis, unter welchem genug Arbeit in Kapital verwandelt werden
wird, um das Kapital zu liefern, das nach dem Grade der Kenntnisse,
dem Stande der Gewerbe, der Dichtigkeit der Bevölkerung, dem Tha-
rakter der Beschäftigungen, der Verschiedenheit, Ausdehnung und
Schnelligkeit der Tausche für die Produktion verlangt wird, und diese
Beziehung oder dies Verhältnis erhält beständig die Wechselwirkung
Zwischen Arbeit und Kapital; daher muß der Zins mit dem Lohn zu
sammen steigen und fallen.
Hier ein Beispiel: der Preis des Mehls wird durch den Weizen
preis und die Kosten des Mahlens bestimmt. Der Preis des Mahlens
variiert langsam und nur wenig, so daß der Unterschied, selbst bei langen
Zwischenräumen, kaum bemerkbar ist, während der Weizenpreis häufig
und bedeutend fluktuiert. Daher sagen wir richtig, daß der Preis des
^ehls durch den Preis des Weizens beherrscht wird.. Oder, um den
batz in dieselbe Form zu bringen, wie den vorhergehenden: zwischen
^nr Preise des Weizens und dem preise des Mehles besteht eine gewisse
^aziehung oder ein gewisses Verhältnis, das durch die Kosten des
Mahlens festgestellt wird, ein Verhältnis, das die Wechselwirkung
Zwischen der Nachfrage nach Mehl und dem Angebot von Weizen be