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Die Gesetze der Verteilung.
Buch III.
ständig erhält; daher muß der Preis des Mehles steigen und fallen mit
dem Steigen und fallen des Weizenpreises.
Oder wie wir mit Beifeitelassung des verbindenden Gliedes, des
Weizenpreises, sagen, daß der Preis des Mehls von dem Ausfall der
Ernten, von Kriegen usw. abhänge, so können wir das Gesetz des Zinses
in eine Form bringen, die direkt an das Gesetz der Rente anschließt,
indem wir sagen, daß der allgemeine Zinsfuß bestimmt wird durch den
Ertrag des Kapitals auf dem ärmsten Boden, dem sich dasselbe überhaupt
zuwendet, d. h. auf dem besten, der ihm ohne Rentenzahlung zugänglich
ist. So bringen wir das Zinsgesetz in eine Form, die dasselbe als ein
Korrelat des Gesetzes der Rente ausweist.
Wir können diese Folgerung noch auf eine andere Art beweisen;
denn daß der Zins in dem Maße fallen muß wie die Rente steigt, können
wir klar sehen, wenn wir den Lohn beiseite lassen. Um dies zu tun,
müssen wir uns allerdings eine nach ganz verschiedenen Prinzipien
organisierte Welt vorstellen. Immerhin können wir uns jenen Zustand
vorstellen, den Larlyle ein Narrenparadies nennt, und wo die pervor-
bringung der Güter ohne Mitwirkung der Arbeit und nur durch die
zeugende Macht des Kapitals vor sich geht, wo die Schafe fertige Kleider
auf ihren Rücken tragen, die Kühe Butter und Käse hergeben und die
Ochsen, nachdem sie den erforderlichen Grad von Fett erlangt haben,
sich in Beefsteaks und Roastbeefs tranchieren, wo päuser aus der Erde
wachsen und ein hingeworfenes Taschenmesser Wurzel faßt und in
gehöriger Zeit eine Ernte von assortierten Eisenwaren bringt. Stellen
wir uns nun gewisse Kapitalisten vor, die mit ihren Kapitalien an einen
solchen Ort kommen. Offenbar würden sie als Ertrag ihres Kapitals
die ganze Summe der Güter, die es hervorbrachte, nur so lange erhalten,
als nichts von dessen Produkten für Grundrente gefordert wird; sobald
Rente entsteht, muß sie aus dem Ertrage des Kapitals kommen, und
je nachdem sie steigt, muß der Ertrag des Kapitalbesitzers notwendig
sinken. Stellen wir uns vor, der Ort, wo das Kapital die Fähigkeit
besitzt, Güter ohne Mitwirkung der Arbeit zu erzeugen, sei von geringer
Ausdehnung — sagen wir z. B. eine Insel — so werden wir sehen,
daß, sobald das Kapital sich bis zur Grenze der Aufnahmefähigkeit
der Insel vermehrt hat, sein Ertrag auf einen Punkt sinken muß, der nur
ganz wenig über dem Minimum des bloßen Ersatzes liegt; und die
Grundbesitzer würden fast das ganze Produkt als Rente erhalten, denn
den Kapitalisten bliebe keine andere Wahl, als ihr Kapital ins Meer
zu werfen. Oder stellen wir uns vor, die Insel stehe in Verbindung mit
der übrigen Welt, so würde der Ertrag des Kapitals sich auf den in
anderen Orten üblichen Satz stellen. Der Zinsfuß würde daselbst weder
höher noch niedriger sein als anderswo. Die Rente würde den größeren
Nutzen ganz verschlingen, und der Grund und Boden der Insel würde
einen großen wert haben.