Full text: Fortschritt und Armut

Aap. VI. 
Der Lohn und das Lobngefetz. 
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beit, die die Grundlage alles nationalökonomischen Urteilens ist, daß 
die Menschen ihre wünsche mit der geringsten Anstrengung zu befriedigen 
suchen. Der Durchschnittsmensch wird für einen Arbeitgeber, alles in 
allem, nicht für weniger arbeiten, als er verdienen kann, wenn er für 
sich selbst arbeitet; noch wird er für sich selbst für weniger arbeiten, als 
er durch Arbeiten für einen Arbeitgeber erlangen kann, und somit muß 
der Ertrag, welchen die Arbeit aus den ihr zugänglichen Naturvorteilen 
ziehen kann, den Lohn bestimmen, den die Arbeit überall erhält. Das 
heißt, die Linie der Grundrente ist der notwendige Maßstab der Linie des 
Lohns. Zn der Tat ist die Anerkennung des Rentengesetzes von der vor 
herigen (obschon in vielen Fällen anscheinend unbewußten) Anerkennung 
dieses Lohngesetzes abhängig. Daß Boden von einer besonderen «Dualität 
als Rente den Überschuß seines Ertrages über den Ertrag des in Be 
nutzung befindlichen, wenigst produktiven Landes ergibt, wird nur durch 
das Verständnis der Tatsache klar, daß der Besitzer der besseren Boden- 
dualität die zur Bebauung seines Landes erforderlichen Arbeitskräfte 
durch Zahlung dessen erlangen kann, was dieselben einbringen würden, 
wenn sie den Boden der schlechteren (Dualität bearbeiteten. 
Zn seinen einfacheren Erscheinungen wird dies Lohngesetz durch 
Leute anerkannt, die sich nicht um Nationalökonomie kümmern, gerade 
wie die Tatsache, daß ein schwerer Körper auf die Erde niederfallen 
wuß, Leuten, die nie an das Gesetz der schwere dachten, längst bekannt 
war. Man braucht nicht Philosoph zu sein, um zu sehen, daß, wenn in 
einem Lande Naturvorteile geboten würden, die die Arbeiter in den 
Stand setzen, für sich selbst höhere Löhne als die niedrigsten, jetzt bezahlten 
Zu erhalten, der allgemeine Lohnsatz steigen müßte; und andererseits 
wußten auch die Unwissendsten und Einfältigsten unter den Goldwäschern 
des früheren Kaliforniens, daß, sobald das goldhaltige Geröll erschöpft 
oder der Besitz monopolisiert würde, die Löhne fallen müßten. Es bedarf 
keiner fein gesponnenen Theorie, um zu erklären, warum in neuen 
Ländern, wo der Grundbesitz noch nicht monopolisiert ist, der Lohn im 
Verhältnis zur Produktion so hoch ist. Die Ursache liegt ans flacher pand. 
Ein Mann wird nicht für einen anderen um weniger arbeiten, als seine 
Arbeit wirklich einträgt, wenn er ein paar Meilen weiter gehen und 
selbst ein Grundstück erhalten kann. Erst wenn das Land monopolisiert 
ist und diese Naturvorteile der Arbeit verschlossen sind, sehen sich die 
Arbeiter genötigt, miteinander um Beschäftigung zu konkurrieren, und 
es wird dem Grundbesitzer möglich, Leute zu mieten, die seine Arbeit 
iun, während er sich von dem Unterschiede zwischen dem, was ihre Arbeit 
erzeugt, und dem, was er ihnen dafür zahlt, erhält. 
Adam Smith selbst sah wohl die Ursache des hohen Lohns, wo 
^and noch im Überfluß vorhanden ist, aber er vermochte die Tragweite 
und den Zusammenhang der Tatsache nicht zu würdigen, von den 
Arsachen der Prosperität neuer Kolonien sprechend (Kap. 7, Buch IV 
es Volkswohlstandes), sagt er:
	        
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