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Die Gerechtigkeit des Heilmittels.
Buch VII«
zu der in der fortgeschrittenen Zivilisation große Massen von Menschen
verdammt sind, ist nicht jene Freiheit von Zerstreuung und Versuchung,
welche die Weisen gesucht und die Philosophen gerühmt haben, sie ist
eine entwürdigende und vertierende Sklaverei, welche die höhere Natur
einklammert, die feineren Gefühle abstumpft und durch ihre Pein die
Menschen zu Handlungen treibt, gegen welche die Tiere sich sträuben
würden. Zn diese hilf- und hoffnungslose Armut, welche die Mannheit
erdrückt und die Weiblichkeit erstickt, ja, die selbst der Kindheit ihre Un
schuld und Freuden raubt, in diese Armut werden die arbeitenden
Klassen durch eine Macht getrieben, welche gleich einer widerstands-
und mitleidslosen Maschine aus sie einwirkt. Der Bostoner ksalsband-
fabrikant, der seinen Arbeiterinnen zwei Cents die Stunde zahlt, mag
ihre Lage bedauern, aber er, wie sie, wird durch das Konkurrenzgesetz
beherrscht und kann nicht mehr zahlen, wenn er sein Geschäft fortführen
will, denn der Pandel wird nicht durch Gefühle beherrscht. Und so ist
es, durch alle Mittelstufen bis zu denen hinaus, die den Verdienst der
Arbeit ohne Gegenleistung in der Grundrente erhalten, das unerbittliche
Gesetz des Angebots und der Nachfrage — eine Macht, mit der der
einzelne ebensowenig streiten und zürnen kann, wie mit den winden
und der Flut —, welches die niederen Klassen in die Sklaverei der Armut
hinabzudrücken scheint.
Zn Wirklichkeit aber ist die Ursache die, welche immer zur Skla
verei geführt hat und immer dahin führen muß, die Monopolisierung
dessen, was die Natur für alle bestimmt hat, zugunsten einzelner.
Unsere gepriesene Freiheit involviert die Sklaverei notwendig,
solange wir den Privatbesitz an Grund und Boden anerkennen. Bis
dieser abgeschafft ist, sind Unabhängigkeitserklärungen und Eman-
zipationsakte vergebens. Solange ein Mensch den ausschließlichen
Besitz des Grund und Bodens beanspruchen kann, von welchem andere
Menschen leben müssen, wird Sklaverei bestehen und in dem Maße,
wie der materielle Fortschritt zunimmt, wachsen und sich vertiefen d
Dies ist es — und in früheren Kapiteln dieses Buches haben wir
den Prozeß Schritt für Schritt verfolgt —, was in der zivilisierten
Welt jetzt vor sich geht. Der Privatgrundbesitz ist der untere Mühlstein,
der materielle Fortschritt der obere. Zwischen beiden werden die arbeiten
den Klassen mit zunehmendem Drucke mahlen.
Kapitel III.
Der Anspruch der Grundbesitzer auf Entschädigung.
Die Wahrheit ist, und vor dieser Wahrheit gibt es kein Entrinnen,
daß kein gerechter Anspruch auf ausschließlichen Grundbesitz besteht