Full text : Fortschritt und Armut

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Die  Wirkungen  des  Heilmittels.

Buch  IX.

der  immerwährenden  (Quellen,  aus  denen  ihre  moralischen  Eigenschaften
genährt  werden.  Wir  alle  haben  Mütter,  die  meisten  von  uns  haben
Rinder,  und  so  können  der  Glaube,  die  Reinheit  und  die  Selbstlosigkeit
nie  ganz  aus  der  Welt  verbannt  werden,  wie  schlecht  auch  die  sozialen
Einrichtungen  seien.
Aber  was  zum  Übel  mächtig  ist,  kann  zum  Guten  mächtig  gemacht
werden.  Die  von  mir  vorgeschlagene  Änderung  würde  die  Bedingungen
zerstören,  welche  an  sich  wohltätige  Antriebe  entstellen  und  Kräfte,  die
jetzt  die  Gesellschaft  aufzulösen  drohen,  in  Kräfte  verwandeln,  die  zur
Einigung  und  Reinigung  derselben  führen  würden.
Man  gebe  nur  der  Arbeit  freies  Feld  und  ihren  vollen  Verdienst;
man  nehme  zu  Nutzen  des  ganzen  Staats  jenen  Fonds,  welchen  die
gesellschaftliche  Entwicklung  erschafft,  und  der  Mangel,  sowie  die  Furcht
vor  Mangel  würden  verschwinden.  Die  (Quellen  der  Produktion  würden
frei  werden  und  die  ungeheure  Reichtumsvermehrung  auch  den  Ärmsten
ein  behagliches  Dasein  verschaffen.  Die  Menschen  würden  sich  so  wenig
abquälen,  Beschäftigung  zu  finden,  wie  sie  sich  abquälen,  Luft  zum
Atmen  zu  finden;  sie  brauchten  um  ihre  materiellen  Bedürfnisse  ebensowenig ­
  zu  sorgen  wie  die  Lilien  auf  dem  Felde.  Der  Fortschritt  der
Wissenschaft,  der  Gang  der  Erfindungen,  die  Verbreitung  der  Kenntnisse
würden  allen  ihre  Vorteile  bringen.
Mit  dieser  Beseitigung  des  Mangels  und  der  Furcht  vor  dem
Mangel  würde  die  Anbetung  des  Reichtums  dahinschwinden,  und  die
Menschen  würden  die  Achtung  und  Anerkennung  ihrer  Mitbürger  auf
andere  weise  suchen  als  durch  die  Erwerbung  und  Entfaltung  von  Reichtum. ­
  Auf  diese  weise  würde  der  Leitung  der  öffentlichen  Angelegenheiten ­
  und  der  Verwaltung  des  gemeinschaftlichen  Vermögens  die
Geschicklichkeit,  die  Aufmerksamkeit,  die  Treue  und  Redlichkeit  zugebracht
werden,  welche  jetzt  nur  für  Privatinteressen  vorhanden  sind,  und  Eisenbahnen ­
  oder  Gaswerke  könnten  für  öffentliche  Rechnung  nicht  nur  sparfamer
  und  wirksamer  als  heute  durch  eine  Aktiengesellschaft,  sondern
so  sparsam  und  wirksam  betrieben  werden,  wie  es  nur  beim  individuellen
Besitze  möglich  ist.  Der  Preis  der  olympischen  Spiele,  welcher  die  größten
Anstrengungen  von  ganz  Griechenland  hervorrief,  bestand  nur  in  einem
Kranz  wilder  Glivenblätter;  um  ein  Stückchen  Band  haben  Menschen
unzählige  Male  Dienste  geleistet,  die  kein  Geld  hätte  erkaufen  können.
Kurzsichtig  ist  die  Philosophie,  die  auf  die  Selbstsucht  als  das  Hauptmotiv ­
  menschlicher  Handlungen  zählt.  Sie  ist  blind  für  Tatsachen
von  denen  die  Welt  voll  ist.  Sie  sieht  nicht  die  Gegenwart  und  liest
die  Vergangenheit  nicht  richtig,  willst  du  die  Menschen  zum  Handeln
bewegen,  was  wirst  du  anrufen?  Nicht  ihre  Taschen,  sondern  ihre
Vaterlandsliebe;  nicht  die  Selbstsucht,  sondern  die  Sympathie.  Eigennutz ­
  ist  gewissermaßen  eine  mechanische  Kraft,  mächtig  allerdings  und
großer  Resultate  fähig.  Aber  es  gibt  in  der  menschlichen  Natur  etwas,
das  man  einer  chemischen  Kraft  vergleichen  kann,  das  schmilzt  und
            
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