Full text : Fortschritt und Armut

Aap.  II.

Die  Unterschiede  in  der  Zivilisation.

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wird.  Ein  Menschenstamm  mit  keiner  größeren  geistigen  Tätigkeit
als  die  Tiere  —ein  Stamm  von  Menschen,  die  nur  essen,  trinken,  schlafen
und  sich  fortpflanzen  —  dürfte,  wie  ich  nicht  bezweifle,  durch  sorgfältige
Behandlung  und  Zuchtwahl  im  verlaufe  der  Zeit  an  körperlicher  Gestalt ­
  und  Eigentümlichkeit  ebenso  große  Verschiedenheiten  zeigen,  wie
ähnliche  Mittel  dies  bei  den  Haustieren  bewirkt  haben.  Aber  es  gibt
keine  solche  Menschen;  und  bei  den  Menschen,  wie  sie  sind,  würden  geistige
Einflüsse,  durch  den  Geist  auf  den  Körper  einwirkend,  beständig  den
Prozeß  unterbrechen.  Man  kann  einen  Menschen,  dessen  Geist  angespannt ­
  ist,  nicht  fett  machen,  wenn  man  ihn  einsperrt  und  füttert,
wie  man  ein  Schwein  füttert.  Aller  Wahrscheinlichkeit  nach  sind  die
Menschen  länger  auf  der  Erde  als  viele  Arten  der  Tiere.  Sie  sind  voneinander ­
  getrennt  gewesen  unter  Verschiedenheiten  des  Klimas,  die
bei  den  Tieren  die  gewaltigsten  Unterschiede  hervorbringen,  und  doch
sind  die  körperlichen  Unterschiede  zwischen  den  verschiedenen  Menschenrassen ­
  kaum  größer  als  der  zwischen  weißen  und  schwarzen  Pferden,
sicherlich  nicht  entfernt  so  groß  als  zwischen  funden  der  verschiedenen
Abarten,  wie  z.  B.  den  verschiedenen  Arten  von  Dachs-  und  Hühnerhunden. ­
  Und  selbst  die  körperlichen  Verschiedenheiten  zwischen  den  Menschenrassen ­
  wurden,  wie  diejenigen  behaupten,  welche  sie  durch  natürliche
Zuchtwahl  und  erbliche  Übertragung  erklären,  zu  einer  Zeit  hervorgebracht, ­
  wo  der  Mensch  dem  Tiere  viel  näher  stand,  d.  h.  als  er  weniger
Geist  hatte.
)st  dies  aber  mit  der  körperlichen  Verfassung  des  Menschen  der
Fall,  in  wieviel  höherem  Grade  ist  es  der  Fall  mit  seiner  geistigen  Verfassung? ­
  Unsere  körperlichen  Bestandteile  bringen  wir  sämtlich  mit  auf
die  Welt;  jedoch  der  Geist  entwickelt  sich  später.
In  der  Entwicklung  aller  Organismen  gibt  es  ein  Stadium,  in
welchem  man,  ohne  die  Entstehung  anderweitig  zu  kennen,  nicht  sagen
kann,  ob  das  im  werden  begriffene  Tier  einen  Fisch,  ein  Reptil,  einen
Affen  oder  einen  Menschen  geben  wird.  Und  so  ist  es  auch  mit  dem
neugeborenen  Kinde;  ob  der  Geist,  welcher  erst  zum  Bewußtsein  und  zur
Kraft  erweckt  werden  soll,  englisch  oder  deutsch,  amerikanisch  oder  chinesisch, ­
  der  Geist  eines  zivilisierten  Menschen  oder  eines  wilden  werden
wird,  hängt  lediglich  von  der  sozialen  Umgebung  ab,  in  die  er  gestellt  wird.
Man  nehme  eine  Anzahl  Kinder  höchstzivilisierter  Eltern  und  bringe
sie  nach  einem  unbewohnten  Tande.  Angenommen,  sie  werden  auf
eine  wunderbare  weise  erhalten  bis  sie  das  Alter  erreichen,  um  selbst
für  sich  sorgen  zu  können,  was  würde  man  finden?  hilflosere  wilde  als
alle,  die  wir  kennen.  Sie  würden  das  Feuer  zu  entdecken,  die  ursprünglichsten ­
  Waffen  und  Werkzeuge  zu  erfinden,  sich  eine  Sprache  zu  bilden
haben.  Kurz,  sie  würden  den  weg  zu  den  einfachsten  Kenntnissen,
welche  die  niedrigsten  Rassen  jetzt  besitzen,  geradeso  strauchelnd  zu  suchen
haben,  wie  ein  Kind  laufen  lernt.  Daß  sie  mit  der  Zeit  alle  diese  Dinge
Eun  würden,  bezweifle  ich  nicht  im  mindesten,  denn  alle  diese  Fähigkeiten
            
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