Full text: Fortschritt und Armut

366 Das Gesetz des menschlichen Fortschrittes. Buch X_ 
Stand, in wenigen Stunden mehr vorn Weltall zu erfahren als ptole- 
rnäus davon wußte; es stellt den denkfaulsten Gelehrten weit über das 
von dem Riesengeiste eines Aristoteles erreichte Niveau. Ls ist für die 
Rasse, was das Gedächtnis für den einzelnen ist. Unsere staunenswerten 
Künste, unsere weitreichende Wissenschaft, unsere wunderbaren Er 
findungen — dadurch sind sie ermöglicht worden. 
Der menschliche Fortschritt geht in derselben Weise vor sich, wie 
die Fortschritte, die von einer Generation gemacht und als Gemeingut 
der nächsten vererbt werden, um zum Ausgangspunkt für neue Fort? 
schritte zu dienen. 
Kapitel III. 
Das Gesetz des menschlichen Fortschrittes. 
was ist aber nun das Gesetz des menschlichen Fortschrittes — 
das Gesetz, unter welchem die Zivilisation vorschreitet? 
Dasselbe muß klar und bestimmt, nicht aber durch vage Allgemein- 
heiten oder oberflächliche Analogien erklären, warum jetzt so weite 
Unterschiede in der sozialen Entwicklung bestehen, obgleich die Mensch 
heit vermutlich mit denselben Fähigkeiten und zu gleicher Zeit ihren 
Lauf begann. Dasselbe muß die aufgehaltenen, verfallenen und ver 
nichteten Zivilisationen, sowie das Steigen der Zivilisation und die 
versteinerride oder entnervende Kraft erklären, die der Fortschritt der- 
Zivilisation bisher stets mit sich gebracht hat. Es muß sowohl den Rück 
schritt wie den Fortschritt, die Unterschiede zwischen den asiatischen 
und europäischen, zwischen den klassischen und den modernen Zivilisa 
tionen die verschiedenen Geschwindigkeitsgrade des Fortschrittes und 
endlich jene Brüche, Stöße und Haltepunkte des Fortschrittes erklären,, 
die als untergeordnete Erscheinungen kenntlich sind. Es muß uns also 
zeigen, welches die wesentlichen Bedingungen des Fortschrittes sind 
und welche sozialen Einrichtungen denselben fördern oder zurückhalten. 
Es ist nicht schwer, ein solches Gesetz zu entdecken, wir brauchen 
nur um uns zu blicken und wir können es sehen. Ich mache nicht Anspruch 
darauf, demselben wissenschaftliche Präzision zu geben, sondern deute 
es nur an. 
Die Antriebe zum Fortschritt sind die der menschlichen Natur an 
geborenen Wünsche — der Wunsch, die Bedürfnisse der tierischen Natur, 
des geistigen Wesens und des Gemütes zu befriedigen; der Wunsch, 
zu sein, zu wissen und zu tun —Wünsche, die bis in die Unendlichkeit 
nie befriedigt werden können, da sie durch das, was sie nähert, wachsen. 
Der Geist ist das Instrument, durch welches der Mensch fortschreitet 
und durch welches jeder Fortschritt, erreicht und zur Gperationsbasis-
	        
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