Aap. III.
Das Gesetz des menschlichen Fortschrittes.
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Stande der Kenntnisse, wo die freiwilligen Gaben der Natur die Lsaupt-
quelle des Unterhalts sind, ganz überwiegend von Klima, Boden und
physischen Bedingungen ab. wo viel tierische Nahrung und warme
Kleidung erforderlich ist, wo die Erde arm und karg erscheint, wo das
üppige Leben tropischer Wälder der schwachen Lserrschaftsbestrebungen
des wilden Menschen spottet, wo Gebirge, wüsten oder Meeresarme
die Menschen trennen und abschließen, da kann die Bereinigung und die
von derselben entwickelte Kraft zum Fortschritt zuerst nur schwer voran
kommen. Aber auf den reichen Ebenen warmer Klimate, wo das mensch
liche Dasein durch einen geringeren Aufwand von Kraft und auf einem
viel kleineren Gebiete erhalten werden kann, vermögen die Menschen
sich näher zusammenzuschließen, und die geistige Kraft, welche man
von Anfang an der Vervollkommnung widmen kann, ist ungleich
größer. Deshalb tritt die Zivilisation naturgemäß zuerst in den großen
Tälern und auf den Tafelländern auf, wo wir ihre frühesten Denk
mäler finden.
Aber diese Verschiedenheiten in den natürlichen Verhältnissen
bringen nicht nur direkt Verschiedenheiten der sozialen Entwicklung
hervor, sondern bringen eben dadurch im Menschen selbst ein Hindernis
oder vielmehr ein tätiges Gegengewicht gegen die Vervollkommnung
zuwege, wenn Familien und Stämme voneinander getrennt werden,
hört die Wirksamkeit des sozialen Gefühls unter ihnen auf, und es
entstehen Unterschiede in Sprache, Sitten, Überlieferung, Religion,
kurz in dem ganzen sozialen Gewebe, das jedes Gemeinwesen, groß
oder klein, beständig spinnt. Mit diesen Unterschieden entstehen Vor
urteile und Haß, die Berührung erzeugt leicht Streitigkeiten, Angriff
ruft Angriff hervor, und Unrecht entzündet Rache. Und so entsteht
unter diesen gesonderten sozialen Gemeinschaften das Gefühl Zsmaels
und der Geist Kains, Krieg wird das chronische und anscheinend natür
liche Verhältnis der Stämme zueinander, und die Kräfte der Menschen
werden im Angriff oder in der Verteidigung, in gegenseitiger Metzelei
und Verheerung oder in kriegerischen Vorbereitungen verschwendet.
Wie lange diese Feindseligkeit anhält, davon legen die Schutzzolltarife
und stehenden Heere der zivilisierten Welt noch heute Zeugnis ab; wie
schwierig es ist, über die Vorstellung hinwegzukommen, daß es kein
Diebstahl sei, einen Ausländer zu berauben, zeigt die Schwierigkeit,
ein internationales Verlagsrecht herzustellen. Können wir uns über
die unaufhörlichen Feindseligkeiten der Stämme und Geschlechter wun
dern? Können wir uns wundern, daß, da jeder Staat vom anderen
getrennt war und unbeeinflußt durch die anderen sein besonderes Ge
webe sozialer Einfriedigung, für den einzelnen unentrinnbar, spann,
der Krieg die Regel und der Friede die Ausnahme war? „Sie waren
geradeso, wie wir sind."
Krieg ist die Negation der Vereinigung. Die Trennung der Menschen
in verschiedene Stämme befördert den Krieg und hemmt dadurch den
George, Fortschritt und Armut. 2^