Full text : Fortschritt und Armut

Aap.  III.

Das  Gesetz  des  menschlichen  Fortschrittes.

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Zeichen  legte,  vor  dein  die  Stolzesten  knieten,  in  den  Bischöfen,  die  durch
ihre  Weihe  mit  dem  höchsten  Adel  gleichgestellt  wurden,  in  ihrem  „Anecht
der  Anechte",  wie  sein  offizieller  Titel  lautete,  der  kraft  des  Ringes
eines  einfachen  Fischers  das  Recht  beanspruchte,  zwischen  den  Völkern
Schiedsrichter  zu  sein  und  dessen  Steigbügel  von  Aönigen  gehalten
wurde,  —  in  diesen  Dingen  findet  die  Airche  trotz  allem  doch  die  Vereinigung, ­
  zum  Zeugnis  der  natürlichen  Gleichheit  der  Menschen.  Auch
durch  die  Airche  selbst  wurde  ein  Geist  genährt,  der,  als  ihr  altes  Werk
der  Vereinigung  und  Emanzipation  nahezu  getan,  als  die  von  ihr  geknüpften ­
  Bande  stark  geworden  und  die  von  ihr  aufbewahrte  Gelehrsamkeit ­
  der  Welt  überliefert  war,  die  Aetten  brach,  mit  denen  sie  den
menschlichen  Geist  gefesselt  haben  würde  und  der  in  einem  großen
Teile  Europas  ihre  Organisation  zerriß.
Der  Ursprung  und  die  Entwicklung  der  europäischen  Zivilisation
ist  ein  zu  ausgedehnter  und  verwickelter  Gegenstand,  um  in  einigen
Sätzen  in  die  gehörige  Perspektive  und  Beziehung  gebracht  werden  zu
können;  aber  aus  allen  Einzelheiten,  wie  aus  allen  Ljauptzügen  erhellt
die  Wahrheit,  daß  der  Fortschritt  in  dem  Maße  vor  sich  geht,  wie  die
Gesellschaft  zu  engerer  Vereinigung  und  größerer  Gleichheit  hinstrebt.
Zivilisation  ist  Aooperation.  Einigung  und  Freiheit  sind  ihre  Faktoren.
Die  große  Ausdehnung  der  Assoziation,  nicht  nur  in  der.  Entwicklung
größerer  und  dichterer  Staaten,  sondern  auch  in  der  Zunahme  des  Verkehrs ­
  und  der  mannigfachen  Tausche,  welche  jedes  Land  in  sich  verbinden
und  mit  anderen,  wenn  auch  weit  entfernten  Ländern  verknüpfen;  die
Entwicklung  internationaler  und  munizipaler  Rechte;  die  Fortschritte
in  der  Sicherheit  des  Eigentums  und  der  Person,  in  der  persönlichen
Freiheit  und  zur  demokratischen  Regierungsform  —  kurz,  die  Fortschritte
zur  Anerkennung  gleicher  Rechte  zum  Leben,  zur  Freiheit  und  zum
Streben  nach  Glück  —  sie  sind  es,  die  unsere  moderne  Zivilisation  zu
einer  soviel  größeren  und  höheren  machen  als  irgendeine  der  vorhergegangenen. ­
  Sie  sind  es,  die  die  geistige  Araft  frei  machten,  welche  den
Schleier  der  Unwissenheit,  der  alles  bis  auf  einen  kleinen  Teil  der  Erde
vor  der  Menschen  Aenntnis  verbarg,  hinwegschob,  welche  die  Bahnen
der  kreisenden  Weltkörper  maß  und  uns  das  bewegende  pulsierende
Leben  in  einem  wassertropfen  schauen  ließ,  uns  das  Vorzimmer  zu  den
Mysterien  der  Natur  und  das  Buch  der  Geheimnisse  einer  längstbegrabenen
Vergangenheit  öffnete;  welche  zu  unserem  Dienste  Naturkräfte  anschirrte, ­
  neben  denen  die  Aräfte  des  Menschen  verschwinden,  und  welche
die  produktive  Araft  durch  tausend  große  Erfindungen  erhöhte.
Zn  jenem  Geiste  des  Fatalismus,  der,  wie  ich  andeutete,  die  heutige
Literatur  durchdringt,  ist  es  Mode,  selbst  vom  Ariege  und  von  der
Sklaverei  als  Mitteln  des  menschlichen  Fortschrittes  zu  sprechen.  Aber
der  Arieg,  der  das  Gegenteil  der  Assoziation  ist,  kann  den  Fortschritt
nur  fördern,  wenn  er  weiteren  Arieg  verhindert  oder  antisoziale  Schranken
die  selbst  passiver  Arieg  sind,  niederreißt.
            
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