~ - i
JSm
Kap. IV. Auf welche Weise die moderne Zivilisation zurückgehen kann.
38s
das Gesetz der Moral? Allein in dem Maße, wie die sozialen Einrich
tungen die Gerechtigkeit befördern, die Gleichheit der Menschenrechte
anerkennen, jedem die volle, nur durch die gleiche Freiheit jedes anderen
beschränkte Freiheit sichern, muß die Zivilisation vorschreiten. Zn dem
Maße, wie sie dies unterlassen, muß die Zivilisation zum Stillstand
gelangen und zurückgehen. Die Nationalökonomie und die Sozialwissen-
schast können nichts lehren, was nicht in den einfachen Wahrheiten
enthalten wäre, welche armen Fischern und jüdischen Bauern gelehrt
wurden von einem, der vor achtzehnhundert Zähren gekreuzigt wurde —
die einfachen Wahrheiten, welche unter den Verdrehungen der Selbst
sucht und den Entstellungen des Aberglaubens die Grundlage jeder
Religion bilden, die je die geistige Sehnsucht des Menschen zu formulieren
suchte.
Kapitel IV.
Auf welche Weise die moderne Zivilisation zurückgehen kann.
Die Schlüsse, zu denen wir so gelangt sind, stimmen vollständig
mit unseren früheren Schlüssen überein.
Das Gesetz des menschlichen Fortschrittes bringt die national
ökonomischen Gesetze, die wir in dieser Untersuchung entwickelt haben,
nicht nur unter ein höheres, vielleicht das höchste Gesetz, das unser
Geist zu erfassen vermag; sondern es beweist auch, daß die Herstellung
des gemeinsamen Eigentums am Grund und Boden in der von mir
vorgeschlagenen weise der Zivilisation einen ungemeinen Anstoß geben
würde, während die Unterlassung dieser Pflicht den Rückgang herbei
führen muß^ Line Zivilisation wie die unsrige muß entweder vorschreiten
oder zurückgehen, sie kann nicht stillstehen. Sie ist nicht wie jene homogene
Zivilisation des Niltales, welche die Menschen nach ihren Plätzen modelte
und sie gleich Ziegeln in eine Pyramide einfügte. Sie gleicht vielmehr
jener Zivilisation, deren Steigen und Fallen innerhalb historischer
Zeiten liegt und der sie auch entsprungen ist.
Ls herrscht jetzt eine Neigung, über jede Andeutung, daß wir nicht
in allen Beziehungen fortschreiten, zu spotten, und der Geist unserer
Zeit ist der des Erlasses, den der höfische Premierminister dem chinesischen
Kaiser, welcher die alten Bücher verbrannte, vorschlug: „daß alle, die
miteinander über die Schi und Schn zu sprechen wagten, zu Tode ver
urteilt werden und die, welche die Vergangenheit erwähnten, um die
Gegenwart zu tadeln, samt ihren Anverwandten den Tod erleiden
sollten."
Dennoch ist es klar, daß es Zeiten des Rückganges gegeben hat,