Die zentrale Wahrheit.
Rap. V.
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völlig vertraut. Und rnit unserer Entwicklung entwickeln sich ihre An
sprüche. Sie will keinen halben Dienst!
Freiheit! es ist ein Mort der Beschwörung, nicht eitler Prahlerei.
Denn Freiheit bedeutet Gerechtigkeit, und Gerechtigkeit ist das Natur-
o,e\c^ — das Gesetz der Gesundheit, des Ebenmaßes, der Kraft, der
Brüderlichkeit und des einigen Wirkens.
wer da meint, die Freiheit habe ihr Werk getan, als sie erbliche
Vorrechte abschaffte und den Menschen das Stimmrecht gab; wer da
glaubt, sie habe keine weitere Beziehung zu den täglichen Angelegen
heiten des Lebens, der hat ihre wahre Größe nicht gesehen — ihm
müssen die Dichter, die sie besungen haben, bloße Reimschmiede und ihre
Märtyrer Narren scheinen! wie die Sonne die perrin des Lebens sowohl
als des Lichtes ist; wie ihre Strahlen nicht nur die Wolken durchdringen,
sondern alle Entwicklung erhalten, alle Bewegung verursachen und aus
einer sonst kalten und trägen Masse all die unendlichen Verschiedenheiten
des Seins und der Schönheit hervorzaubern, so steht die Freiheit zum
Menschengeschlecht. Nicht für eine Abstraktion haben die Menschen ge
kämpft und geblutet, sind in jedem Zeitalter die Zeugen der Freiheit
ausgestanden und haben ihre Märtyrer gelitten!
wir sprechen von der Freiheit einerseits und von Tugend, Wohl
stand, Kenntnis, Erfindungsgabe, Volkskraft und nationaler Unab
hängigkeit andererseits als von verschiedenen Dingen. Aber die Freiheit
ist die «Duelle, die Mutter, die notwendige Bedingung aller dieser Dinge.
Sie ist für die Tugend, was das Licht für die Farbe ist; für den Wohl
stand, was der Sonnenschein für das Korn; für das wissen, was das Auge
dem Sehen. Sie ist der Genius der Erfindung, der Nerv der Volkskraft,
der Geist der Nationalunabhängigkeit! wo die Freiheit steigt, da wächst
die Tugend, nimmt der Wohlstand zu, verbreitet sich das wissen, die
Erfindung vervielfältigt die menschlichen Kräfte, und an Kraft und
Geist erhebt sich die freiere Nation unter ihren Nachbarn wie Saul
unter seinen Brüdern, größer und schöner, wo die Freiheit sinkt, da
erblaßt die Tugend, vermindert sich der Wohlstand, die Kenntnisse werden
vergessen die Erfindung hört auf, und vormals in Waffen und Künsten
mächtige Reiche werden eine hilflose Beute freierer Barbaren!
Nur in gebrochenen Strahlen und partiellem Lichte hat die Sonne
der Freiheit bisher unter den Menschen geschienen, aber allen Fortschritt
hat sie allein hervorgerufen.
Die Freiheit kam zu einem Geschlecht von Sklaven unter ägyptischer
peitsche und führte sie hinweg aus dem Hause der Knechtschaft. Sie
stählte sie in der wüste und machte ein Geschlecht von Eroberern aus
ihnen. Der freie Geist der mosaischen Gesetze führte ihre Denker auf
Höhen, wo sie die Einheit Gottes schauten, und begeisterte ihre Dichter
zu Gesängen, die noch heute den höchsten Schwung der Gedanken aus
drücken. Die Freiheit dämmerte an der phönizischen Küste, und durch
die Pfeiler des Herkules segelten Schiffe, um das unbekannte Meer