Full text : Fortschritt und Armut

Kap.  III.

Der  Lohn  wird  nicht  dem  Kapital  entnommen.

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Recht  sagen,  daß  der  Arbeiter  mt  Lohn  die  Güter  erhält,  die  er  rnit
seiner  Arbeit  geschaffen  hat.
Daß  diese  allgemein  gültige  Wahrheit  so  oft  verdunkelt  wurde,
ist  größtenteils  die  Schuld  jener  fruchtbaren  Quelle  nationalökonomischer ­
  Verdunkelungen:  der  Verwechselung  von  Gütern  mit  Geld,
und  es  ist  merkwürdig,  so  viele  von  denen,  welche,  seit  Adam  Smith
das  Li  auf  die  Spitze  stellte,  die  Trugschlüsse  des  Merkantils'fstems
weitläufig  demonstriert  haben,  bei  Behandlung  des  Verhältnisses  von
Kapital  und  Arbeit  in  Irrtümer  genau  derselben  Art  fallen  zu  sehen.
Da  Geld  das  allgemeine  Tauschmittel,  die  große  flüssige  Masse  ist,
vermittels  welcher  alle  Verwandlungen  von  Gütern  aus  einer  Form
in  die  andere  stattfinden,  so  werden  sich  die  dem  Austausch  entgegenstehenden ­
  Schwierigkeiten  meist  bei  der  Umwandlung  in  Geld  zeigen;
und  daher  ist  es  bisweilen  leichter,  Geld  gegen  irgendeine  andere  Art
von  Gütern,  als  Güter  einer  spezielleren  Art  gegen  Geld  umzutauschen;
aus  dem  einfachen  Grunde,  weil  es  mehr  Besitzer  von  Gütern  gibt,
die  irgend  etwas,  als  solche,  die  etwas  Spezielles  einzutauschen
wünschen.  Deshalb  mag  ein  Produzent,  der  sein  Geld  für  Löhne  verausgabte, ­
  es  bisweilen  schwierig  finden,  den  erhöhten  wert,  den  er
für  sein  Geld  wirklich  eingetauscht  hat,  schnell  wieder  in  Geld  umzusetzen,
und  so  sagt  man  von  ihm,  er  habe  sein  Kapital  ganz  für  Löhne  ausgegeben ­
  oder  vorgeschossen.  Dennoch  besitzt  er,  wenn  der  durch  die
Arbeit  geschaffene  Neuwert  nicht  etwa  geringer  ist  als  der  Betrag
der  verausgabten  Löhne  (was  nur  in  Ausnahmefällen  stattfinden  kann),
das  Kapital,  das  er  vorher  in  Geld  hatte,  jetzt  in  waren;  es  hat  wohl
die  Form  gewechselt,  sich  aber  nicht  vermindert.
Ls  gibt  einen  Produktionszweig,  bei  dem  die  aus  der  Gewohnheit,
Kapital  in  Geld  zu  schätzen,  entspringende  Gedankenverwirrung  am
wenigsten  eintreten  kann,  weil  das  Produkt  desselben  das  gewöhnliche
Material  und  der  Wertmesser  des  Geldes  ist.  Und  es  trifft  sich,  daß
dies  Gewerbe  uns  fast  nebeneinander  Bilder  der  Produktion  von  den
einfachsten  bis  zu  den  verwickeltsten  Formen  bietet.
In  den  frühesten  Zeiten  Kaliforniens,  wie  später  in  Australien,
sammelte  sich  der  sogenannte  Goldwäscher,  der  in  Flußbetten  oder  im
Steingeröll  die  glänzenden  Goldteilchen  suchte,  welche  die  langsamen
Prozesse  der  Natur  seit  Zahrhunderten  daselbst  angehäuft  hatten,  seinen
„Lohn"  (so  auch  von  ihm  genannt)  in  wirklichem  Gelde;  denn  da  Münze
selten  war,  so  wurde  abgewogener  Goldstaub  als  gangbares  Zahlungsmittel ­
  gebraucht,  und  am  Ende  des  Tages  hatte  er  seinen  Lohn  in  Geld
in  einem  Lederbeutel  in  der  Tasche.  Es  kann  kein  Streit  darüber  sein,
ob  dieser  Lohn  vom  Kapital  kam  oder  nicht.  Er  war  offenbar  der  Ertrag
seiner  Arbeit.  Auch  dann  konnte  kein  Zweifel  obwalten,  wenn  der
Besitzer  eines  besonders  reichen  Striches  Leute  annahm,  die  für  ihn  arbeiteten, ­
  und  sie  in  demselben  Gelde  bezahlte,  welches  ihre  Arbeit  aus
der  bjöhle  oder  aus  dem  Flußgeröll  geschafft  hatte.  Als  gemünztes
            
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