Full text : Wirtschaft als Leben

Ober  die  „Grundbegriffe“  II.

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der  nationalökonomische  Gebrauch  dieser  Bezeichnung  vom  Herkommen
überhaupt  nicht  anders  gedeckt  wird,  als  daß  recht  verschwommen
feststeht,  wie  das  so  Bezeichnete  aufzuzählen  ist.
In  einer  ganz  anderen  Richtung  wohl,  da  ist  es  zu  Rede  und
Gegenrede  gekommen.  Ich  meine  die  Erörterungen,  die  sich  um
die  Frage  nach  „dem  Grundbegriff“  der  Nationalökonomie  drehen.
Schaffle  hat  einst  den  Ausspruch  getan:  „Grundbegriff  der  Nationalökonomie ­
  ist  unbestritten  der  Wert“ 1 ).  Später  hat  Dietzel 1 )  die
„wirtschaftliche  Handlung“  als  „den  Grundbegriff  der  Sozialwirtschaftslehre“
  sachlich  verfochten.  Vielleicht  wäre  hier  erst  zu  erwägen,  ob
die  Ansicht  ganz  unmittelbar  die  Nationalökonomie  berührt.  Allein
gerade  in  der  Nationalökonomie  denkt  man  über  derlei  kleine  Unebenheiten ­
  frischweg  hinüber.  So  hat  auch  Jul.  Wölfin  ausdrücklicher
Gegenrede  zu  Dietzel,  die  Ansicht  geltend  gemacht,  daß  man  „Wertes ­
  „den  Grundbegriff  der  Nationalökonomie“  anzusehen  hatte;  unter
der  sachlichen  Begründung:  „Grundbegriff  ist  —  man  hat  dies  zu  erörtern ­
  bisher  versäumt  —  der  Begriff,  der  als  erster  das  Bewußtsein
des  Zweckes  an  sich  trägt“  3 ).
Zur  Sache  hier  steht  dies  in  gar  keinem  Bezug.  Nicht  bloß  laßt
es  der  erste  Blick  erkennen,  daß  die  Bezeichnung  „Grundbegriff  der
Nationalökonomie“  anderen  Sinnes,  anderen  Geistes  sei  als  die
Bezeichnung  „nationalökonomische  Grundbegriffe“.  Der  erstere  Ausdruck ­
  ist  auch  mitnichten  vom  Herkommen  getragen;  er  taucht  nur
ganz  vereinzelt  auf,  eben  bei  dieser  Erörterung.  Schon  deshalb  kann
nichts,  was  den  ersteren  Ausdruck  angeht,  die  herkömmliche  Meinung
über  Sinn  und  Geist  der  Bezeichnung  „Grundbegriffe“  berühren;  nur
darum  handelt  es  sich  im  Augenblicke.  Im  übrigen  ist  es  ja  durchsichtig
  genug,  daß  sich  meine  Kritik  an  dieser  Bezeichnung  nur  um
der  Aufzählung  willen  festbeißt,  die  sich  von  ihr  nicht  wegdenken
läßt,  soweit  das  Herkommen  reicht.  Die  Einzahl  des  Wortes  schließt
aber  alle  Aufzählung,  und  in  diesem  Sinne  alles  Interesse  an  dem
Ausdruck  „Grundbegriff  der  Nationalökonomie“  aus.
Eine  allgemeine  und  vom  Herkommen  getragene  Meinung,  wie
die  Bezeichnung  „Grundbegriffe“  zu  verstehen  sei,  ist  in  der  Nationalökonomie ­
  wohl  vorhanden.  Sie  erschöpft  sich  aber  darin,  daß  sie
neben  die  Bezeichnung  die  Möglichkeit  setzt,  das  so  Bezeichnete  ohne
weiteres  aufzählen  zu  können;  dafür  bietet  sie  ein  ungefähres  Schema
*)  Tübinger  Zeitschr.  1864,  S.  196.
2 )  Tübinger  Zeitschr.  1883,  S.  I  ff.
3 )  Tübinger  Zeitschr.  1886,  S.  426.
            
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