Full text : Wirtschaft als Leben

Über  die  „Grundbegriffe“  III.

93

Rückhalt  besitzt  an  den  Ansichten  jener  Forscher,  die  hier  gleichsam
als  Zeugen  gepreßt  sind.  Auch  wäre  erst  zu  untersuchen,  wieweit,
oder  vielleicht  wie  wenig  dieser  Widerstreit  in  der  Sache  begründet
ist;  ob  sich  Begriffe,  Erscheinungen  und  Tatsachen  in  dieser  Hinsicht
überhaupt  in  Gegensatz  stellen  lassen.  Zum  Glück  kann  man  diese
Untersuchungen  —  auch  die  letztgenannte,  auf  die  ich  erst  in  einem
späteren  Zusammenhang  zurückkomme  —  für  den  Augenblick  noch
umgehen.  Abermals  ist  es  ein  höchst  kleinlicher  Tatbestand,  der  eine
willkommene  Handhabe  für  die  Kritik  darbietet.

Um  diesen  Tatbestand  vorzuweisen,  knüpfe  ich  an  die  Ausführungen
H.  Dietzels  an 1 ).  Wer  da  als  Nationalökonom  nachliest,  der  mag
diesen  Ansichten  beipflichten  oder  widersprechen,  jedenfalls  wird  er
dem  Gedankengange  Dietzels  rückhaltlos  zu  folgen  wissen.  Trotzdem ­
  liegt  hier  etwas  Unverständliches  vor,  in  einer  einzelnen  Hinsicht.
Nicht  im  Sinne  eines  persönlichen  Fehlers  im  Gedankengang,  wird  doch
der  Riß,  d er  hier  unter  logischem  Gesichtspunkt  vorhanden  ist,  durch
dieselben  Gewohnheiten  des  fachlichen  Denkens  verschuldet,  die
ibn  zugleich  auch  verschleiern!
Die  gleiche  Reihe  von  Worten,  die  man  herkömmlich  mit  der  Bezeichnung ­
  „Grundbegriffe“  in  Verbindung  bringt,  als  die  Aufzählung
des  so  Bezeichneten,  sie  nimmt  Dietzel  für  die  Bezeichnung  „Grundtatsachen“ ­
  in  Anspruch,  wieder  als  Aufzählung.  Das  ist  der  rohe  Tatbestand; ­
  der  soll  nun  etwas  näher  entfaltet  werden.
Zunächst  über  den  Wechsel  in  der  Auffassung,  der  hier  von  hüben
nach  drüben  Platz  greift.  Es  ändert  sich  die  Natur  des  Aufgezählten  ;
gegenüber  den  „Grundbegriffen“  werden  „Grundtatsachen"
geltend  gemacht.  Was  aber  gleichbleibt,  das  sind  zunächst  die  aufzählenden ­
  Worte.  Aber  noch  etwas:  wie  nämlich  hüben  „Grundbegriffe“, ­
  so  werden  drüben  „  G  r  u  n  d  tatsachen“  behauptet.
Dietzel  sucht  es  für  das  Aufgezählte  einzeln,  und  wenigstens  in
Stichproben,  verständlich  zu  machen,  daß  laut  der  aufzahlenden  Worte
gar  nicht  Begriffe,  sondern  Tatsachen  —  er  spricht  nebenher  von
»Phänomenen“  —  in  Frage  stünden.  Ob  hier  wirklich  ein  Gegensatz
begründet  wäre,  darf  im  wesentlichsten  Sinne  dahinstehen.  Denn
jedenfalls,  und  das  fällt  hier  allein  ins  Gewicht,  ist  diese  Überwechselung
»Begriffe  —  Tatsachen“  als  ein  Gegensatz  gemeint.  Nun  wäre  ja  verständlich, ­
  daß  man  einzelne,  oder  auch  alle  einzelnen  der  aufgezählten
»Grundbegriffe“  als  Tatsachen  behaupten  wollte.  Warum  sollen  aber

)  Theoret.  Sozialökonomik,  in  Wagner,  Lehr-  und  Handbuch,  I.  Bd.,  S.  147  ff-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.