Full text: Wirtschaft als Leben

132 
,Die Herrschaft des Wortes“, 
art schon an sich trugen, zu einheitlichem Gefüge, und damit zur Er 
kenntnis ihrer einheitlichen Eigenart gekommen sind; daß es also mög 
lich wurde, von einer Wissenschaft der Nationalökonomie zu sprechen, 
trotzdem jene Worte immer noch der Aufmerksamkeit entgangen wären. 
Somit ist jene Frage überhaupt erst durch die nämlichen Vorgänge 
möglich geworden, zu denen sie den Anstoß geben soll — im Geiste 
jenes zweiten Falles, der sich damit als undenkbar erweist. 
Anmerkung. Es liegt nahe, daß die Frage nach den „Grund 
begriffen“ erst dann wirklich aufgeworfen wird, sobald der Ausdruck „Grund 
begriffe“ schon als eine Bezeichnung in Gebrauch genommen wird, im bald 
erörterten Sinne. Es ist dann Erfolg dieser Frage, daß sich die Aufzählung 
des als „Grundbegriffe“ Bezeichneten abrundet, und so die Entwicklung zu 
einem gewissen Abschluß kommt, die schon vorher anheben mußte, ehe sich 
ein Anlaß ergeben konnte, von „Grundbegriffen“ überhaupt zu sprechen. 
Das Aufwachsen der Nationalökonomie stellt sich hier im Spiegel des 
Schicksals jener Worte dar. Das Zusammenkommen dieser Worte, der Voll 
zug ihrer Aufzählung, von dem zu zeigen sein wird, wie er die Bezeichnung 
„Grundbegriffe“ herausfordert, das entspricht ungefähr dem Bewußtwerden 
der Nationalökonomie, als Sonderwissenschaft. Der bedingende Vorgang aber, 
das Heraustreten jener Worte aus dem Dunkel der Sprache, spielt sich in 
der Hauptsache schon vorher ab; zu einer Zeit, als die Nationalökonomie 
nur der Tatsache nach, also nur für den rückschauenden Blick in Dasein 
steht, gleichsam also in der Vorvergangenheit dieser Wissenschaft. 
An den letzteren Umstand könnte sich die Einrede klammern: Also hat 
es für die Nationalökonomie selber doch nie gegolten, daß sie die viel 
berufenen Worte harmlos verwende! Sofern man unter Nationalökonomie 
nur das verstehen will, was sich selber so oder doch ähnlich zu nennen 
weiß, hat man allerdings mit dieser Auffassung recht. Aber die letztere 
steht sachlich auf schwachen Füßen, wo es sich um eine Wissenschaft handelt, 
von einer so markigen Sonderheit, gleich der Nationalökonomie; sei es auch, 
daß wir diese Sonderheit mehr als das einmal Gegebene hinnehmen, mehr 
empfinden, und uns für ihren Teil mehr an äußerliche Kennzeichen halten 
müssen, als daß wir uns über ihren inneren Grund klar und einig wären. 
Das besagt ja nur einen Mangel an Reife, an errungener Selbstbesonnenheit, 
der bei einer jungen Wissenschaft nichts Verwunderliches an sich hat, sondern 
einfach entwicklungsnotwendig ist. Jedenfalls gilt für eine Wissenschaft von 
so bewährter Selbständigkeit, daß sie nicht erfunden und nicht entdeckt 
wird, vielmehr sich selber findet, das will eben sagen, zum Bewußtsein ihrer 
selber gelangt! Dort also, wo die ersten „Systeme“ dieser Wissenschaft 
stehen, da fängt die letztere nicht an, es schlägt nur ihre unbewußte Pflege
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.