156
,Die Herrschaft des Wortes",
und jenem, was nicht alltäglich ist, zu scheiden wäre, darüber müßte
sich unser Denken sofort entzweien. Jedoch das genaue Gegenteil tut
hier not: ein sicherer, eindeutiger Ausgang für unser Denken 1 Der
aber liegt mit dem Alltäglichen als Inbegriff vor, unabhängig von
aller Definition. Nur dieser günstige Umstand erlaubt es ja, unser
Problem an das Alltägliche anzuknüpfen; wir klammern uns an dessen
unzweideutigen Kern, während uns das Verschwimmen der Grenzen
gleichgültig bleibt. So ist es wesentlich, daß wir uns wirklich nur
diesen losen Inbegriff von erlebtem Geschehen' Vorhalten; der zwar
nichts Greifbares besagt, und von dem ich nun erst erwägen will, wie
er uns im einzelnen begreifbar wird, der uns aber trotzdem so ver
traut, so ganz außer Zweifel und Mißverständnis ist, weil wir mit
unserem ganzen Tun und Treiben, mit unserem ganzen Wohl und
Wehe in diesem Inbegriff das Inbegriffene sindl
Umschreiben läßt sich dieser Inbegriff allerdings; z. B. als das
Ganze des mehr oder minder nüchternen, hausbackenen Geschehens
durch uns und rings um uns, mit dem in nie aussetzendem Flusse aus
dem Gestern das Heute und aus dem Heute das Morgen wird. Derlei
Umschreibung erläutert wohl die Sache, bei der wir einsetzen. Aber
schon zum Überfluß; so wenig verbindlich solche vorausgeworfene
Erläuterung ist, in diesem Fall, so wenig sind wir zu ihr verbunden.
Wir sind uns einmal dieser Sache viel zu gewiß, als daß sie erst ein
deutig würde, sofern wir ihren Namen scharf und gültig definieren.
Auch weiterhin bleiben die Gefahren der worterklärenden De
finition vermieden. Vom Alltäglichen aus führt uns eine sachliche
Erwägung vor jene Kenntnis der Alltäglichkeit hin, an die sich unser
Problem des näheren knüpft. Wir erwägen da, wie sich unser Denken
zu jener Sphäre der erlebten Gemeinplätze verhält. Dazu sei nun in
aller Einfalt ein Vergleich gezogen, zwischen gewissen Vorkommnissen
des Alltags und gewissen Erscheinungen der Natur. Der Vergleich
aber rechtfertigt sich aus dem Umstande, daß es hüben und drüben
auf ein vielartiges Geschehen ankommt, von jenem innigen Zusammen
halte, als ob jedes Eine um Aller, und Alle um jedes Einen willen
da wären.
Ein Mehrerlei des Geschehens, das sich wechselseitig bedingt,
unserem Denken also gegliedert, „organisiert“ erscheint, das steht in
der Tat bei jedem tierischen oder pflanzlichen Organismus in Wirk
lichkeit. Aber hier durchblicken wir die Gliederung im Geschehen
doch nur soweit, als wir mit Absicht beobachtet und über das Be
obachtete nachgedacht haben; wobei wir natürlich die Früchte der
gleichen Bemühung Anderer nutzen. Von Haus aus erscheinen diese