Full text : Wirtschaft als Leben

i8o

,Die  Herrschaft  des  Wortes“,

neuem  eine  Minderung  der  Erquicklichkeit.  Das  Geschehen  weist  also
von  Vollzug  zu  Vollzug  die  sinngleichen  Abstände  auf,  die  sich  den
Reihen  der  Vollzüge  entlang  aufsummen.
Dieses  Aufsummen  gilt  aber  bloß  vor  unserem  Denken.  Im
Erleben  sind  nur  die  Vollzüge  des  Geschehens  da,  in  ihrer  einfachen
Mannigfaltigkeit;  z.  B.  also  die  verschiedenen  Berührungen,  mit  unseren
Eindrücken  von  ihnen.  Nimmt  es  daher  unser  Denken  peinlich,  dann
wäre  diesem  Erleben  nur  mit  einer  Reihe  vergleichender  Urteile  Genüge
getan,  die  Reihe  der  Vollzüge  begleitend.  Unser  Denken  macht  aber
kürzeren  Prozeß.  Jene  Störungen  der  Wiederkehr,  die  selber  wiederkehren, ­
  erfaßt  unser  Denken  als  ein  stetiges  Geschehen;  in
unserem  Beispiel  bildlich  das  „Erkalten“.  Als  ein  stetiges  waltet  dieses
Geschehen  erst  noch  über  dem  erlebten  Geschehen,  es  ist  also
gleichsam  ein  Geschehen  am  Geschehen.  Im  Beispiele  liegt  das
erlebte  Geschehen  mit  den  Berührungen  vor,  die  wir  aber  zuständlich
als  „Freundschaft“  erfassen;  hier  wird  übrigens  die  stete  Wechselbeziehung, ­
  die  zwischen  Handeln  und  Empfinden,  zwischen  tätigem
und  duldendem  Erlebnis  hin-  und  hergeht,  besonders  deutlich;  dem
gedachten  Zustand  ist  Empfinden  bei  gesellt,  im  Sinne  chronischer
Determinanten,  zwischen  denen  eingebettet  das  als  „Freundschaft“
zuständlich  erfaßte  Geschehen  dahinfließt  —  ein  „Verhältnis  zwischen
Handelnden“,  ein  „Bestand“.  Jenes  sozusagen  höhere  Geschehen
nun,  das  nicht  erlebt  wird,  sondern  rein  nur  eine  Sache  unseres  rückschauenden ­
  Denkens  vorstellt,  entspricht  der  Entwicklung.  Wie
man  mit  dem  „Erkalten  der  Freundschaft“  eine  Entwicklung  aussagt,
wird  deutlicher,  wenn  wir  zum  Vergleich  vom  „Bruch  einer  Freundschaft“ ­
  reden;  womit  offenbar  keine  Entwicklung,  sondern  Erlebtes
ausgesagt  wird.  Nicht  die  langsame,  allmähliche  Art  ist  hier  entscheidend, ­
  sie  wohnt  der  Entwicklung  bloß  im  tatsächlichen  Erfolg
inne;  entscheidend  ist  der  Gegensatz  des  rein  denkend  erfaßten
Geschehens  gegenüber  dem  erlebten.  In  diesem  Sinne  sind  j a
Zustand  und  Entwicklung  Stiefbrüder  des  Begriffes.
Beim  Zustand  geht  der  Griff,  den  unser  raffendes  Denken  in  die
Fülle  des  Handelns  tut,  quer  über  den  Zeitenlauf;  bei  der  Entwicklung ­
  überdies  dem  Zeitenlaufe  entlang.  Wir  müssen,
wie  es  auch  in  unserem  Beispiele  ersichtlich  war,  in  der  Form  des
Zustandes  denken,  ehe  uns  eine  Entwicklung  erfaßbar  wird.  Alle  Entwicklung ­
  läßt  sich  als  ein  Wandel  im  Zustande  verbildlichen,
als  das  Ineinanderlaufen  von  Zuständen.  „Freundschaft“  ist  der  Zustand,
„Erkalten“  ihr  Wandel:  auflösbar  als  lauter,  stetig  ineinander  auf'
gehende  Zustände  —  die  absteigenden  „Grade“  der  „Freundschaft  •
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.