Full text : Wirtschaft als Leben

I 7 S

,Die  Herrschaft  des  Wortes“,

wir  den  Zustand  denken,  und  nicht  die  Form  zerschlagen,  aus  der
das  Handeln  dann  so  ausrinnt,  wie  es  erlebt  worden  ist,  solange  ist
das  Geschehen  nicht  rein  als  solches  da;  nicht  bloß  als  etwas,  das  im
Entstehen  auch  schon  vergeht;  denn  es  ist  als  stets  von
neuem  da  gedacht,  ist  also  vor  unserem  Denken  zugleich  etwas,  das
im  Vergehen  auch  schon  entsteht.  Das  ewig  in  die  Zeit
flüchtende  Handeln  wandelt  sich  hier  zu  etwas  Verharrendem  um;
das  Fließen  stockt.  Um  seiner  Wiederkehr  halber  gerinnt  gleichsam
das  Geschehen  zu  einem  Zustande;  natürlich  nur  vor  unserem  rückschauenden ­
  Denken.  Wenn  ich  z.  B.  sage,  „um  diese  Zeit  hat  Herr  X
die  Vorlesungen  von  Herrn  Y  besucht“;  oder  wenn  ich  sage,  „in  den
achtziger  Jahren  war  der  Ort  M  ein  von  den  Heidelbergern  vielbesuchter“, ­
  dann  sage  ich  beidesmal  einen  Zustand  aus;  freilich  von  sehr
engen  Grenzen.  Ein  viel  weiter  gespannter  Zustand,  nur  in  anderer
Wendung,  verbirgt  sich  etwa  hinter  dem  Ausdrucke  „Steinzeit“.
Es  erläutert  das  summarische  Verfahren,  das  uns  den  „Zustand“
einbringt,  wenn  man  etwa  den  bildlichen  Ausdruck  wählt:  Im  Denken
eines  Zustandes  projizieren  wir  das  in  Wiederkehr  fließende  Geschehen
auf  die  Zeitfläche  einer  Gegenwart.  Sieht  man  aber  schärfer  zu,
so  ist  es  umgekehrt  erst  dieses  Denken  von  Zuständen,  das
aus  dem  bloßen,  „zeitlosen“  Punkte,  der  zwischen  Vergangenheit  und
Zukunft  scheidet,  eine  „Zeit“  werden  läßt,  die  von  diesen  Zuständen
gleich  ihr  Gepräge  erhält.  Mit  dem  Blicke  auf  das  Geschehen  selber,
das  für  die  Welt  des  Handelns  ihr  alles  bedeutet,  gibt  es  in  dieser
Welt  keine  „Gegenwart“  —  die  uns  ja  als  etwas  vorschwebt,  für  das
der  Zeitenlauf  gleichsam  gesperrt  erscheint  Zum  mindesten  ist  für
alle  grundsätzliche  Erwägung  diese  „Zeit“  gar  nicht  vorhanden.
Dagegen  ergibt  es  sich  als  ein  tatsächliches  Verhältnis,  daß  die
Gegenwart  jener  Wissenschaft  zunächst  steht,  die  in  den  Formen  von
Zustand  und  Entwicklung  denkt;  wobei  aber  „unsere  Gegenwart“,
grundsätzlich  genommen,  nicht  schwerer  ins  Gewicht  fällt  als  jede  beliebige ­
  andere,  zu  der  die  Vergangenheit  an  irgendeiner  Stelle  „gesperrt“ ­
  erscheint.  Im  Rohen  ist  also  der  Vorsprung  dieser  Wissenschaft
nur  der,  daß  sie  „unsere  Gegenwart“  auch  unter  die  Hände  bekommt.
Während  es  z.  B.  von  der  Historie  gilt,  daß  sie  nur  der  Vergangenheit ­
  sich  zu  wendet;  des  Historikers  Interesse  beginnt  ja  erst  dort,  wo
er  dem  Geschehen  eine  Zukunft  prophezeien  kann,  die  für  ihn  in  Tatsachen ­
  übersehbare  Vergangenheit  ist  1
Einen  Augenblick  halte  ich  nun  bei  der  Entwicklung  inne-Vorweg
  gesagt,  nach  allen  Proben  meines  Vorgehens  kann  es  keinesfalls
meine  Absicht  sein,  daß  ich  irgendwie  dem  „Begriff  Entwicklung 4
            
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