Full text : Wirtschaft als Leben

194

„Die  Herrschaft  des  Wortes“,

diesen  Naturgegenständen  kommen  wir  erst  im  Walten  generalisierender  und
isolierender  Abstraktion  zu  den  „Erscheinungen“.  Das  besagt  eine  Vorarbeit
unseres  Denkens,  das  nun  erst  eigentlich  dem  Naturgeschehen  als  dem
Nacheinander  und  Nebeneinander  der  Erscheinungen  gegenübersteht. ­
  Da  kommt  nun  für  unser  zusammenhang-lüsternes  Denken  blutwenig ­
  heraus.  (Denn  von  den  „Organismen“  muß  man  hier,  wo  es  auf  die
Leistungen  des  zerfallenden  Denkens  ankommt,  billig  absehen,  weil  wir  das
„Organische“  nur  im  verschämt  -  unzerfällenden  Denken  begreifen.  Wir
fingieren  Zuständliche  Gebilde,  im  Sinne  von  „Apparaten“,  dem  „Lebenszweck“ ­
  angepaßt;  für  den  Teil  ihrer  inneren  Bedingnis  stehen  wir  mit  der
„Zelle“  genau  vor  den  nämlichen  Rätseln,  wie  vor  dem  harmloser  gegebenen
„Organismus“  selber;  ein  Kesseltreiben  ohne  Ende.)  Im  übrigen  ist  unserer
Weisheit  ganzer  Schluß,  daß  wir  vor  Abfolgen  hingelangen,  die  ihrer
Verallgemeinerung  standhalten.  Wo  uns  eine  Verflechtung
dieser  Abfolgen  gegeben  ist,  denken  wir  sie  zuständlich  als  „Stoff“.  Der
ganze  „Chemismus“  ist  ein  System  der  Verflechtung  von  Abfolgen,  der
„Reaktionen“.  Dort,  wo  eine  Verflechtung  von  Abfolgen  im  Sinne  der  Ausstrahlung ­
  vorliegt,  erblicken  wir  die  „Elemente“;  überall  dort,  wo  wir  eine
Verflechtung  im  Sinne  der  Überkreuzung  zuständlich  erfassen,  die  „Verbindungen“. ­
  Würde  es  möglich,  die  „Stoffe“  alle  in  alle  überführbar  zu  machen,
so  wäre  nichts  erreicht,  als  daß  wir  statt  vieler  Pole  dann  Einen  Pol  vor
uns  sähen.  Vor  dem  Zuständlichen  dieser  verflochtenen  Abfolgen,  „Stoff“,
stehen  wir  genau  so  klug  wie  vor  der  unverflochtenen  Abfolge,  die  ebenfalls
ihrer  Verallgemeinerung  standhält,  dem  „Gesetze“.  Nur  wird  da  nichts  Zuständliches
  gedacht,  sobald  wir  einmal  die  Naivität  der  „Eigenschaften“  überwunden ­
  haben;  somit  kommt  hier  das  Naturgeschehen  am  reinsten  zur  Geltung.
Immerhin  steht  auch  vor  dem  „Gesetze“  unsere  Erkenntnis  so  hilflos  wie
der  einzelne  Mensch  vor  seinem  „Sckicksal“  —  als  das  gemeint,  was  er  in  der
Verflechtung  des  Handelns  nicht  voraussehen  konnte.  Unsere  Erkenntnis
antichambriert  also,  wo  immer  sie  mit  der  Natur  zu  tun  hat.  Es  handelt  sich
stets  nur  um  die  immer  weiter  gespannte  Verallgemeinerung;  jeder  beliebige ­
  Handelnde  kommt  im  Handeln  selbst  dazu,  ein  kleiner  Newton  zu
sein.  Auch  die  gereiften  Schöpfungen  des  theoretischen  Denkens,  z.  B.  die
„Molekulartheorie“  —  die  im  Geiste  wortseligen  Denkens  bekanntlich  schon
dort  „entdeckt“  ist,  wo  jemand  ein  erstes  Mal  von  „Unteilbarem“  gestottert
hat  —  auch  sie  bringen  nur  heilsame  Ordnung  ins  Erkannte,  erbringen
aber  keinerlei  Erkenntnis  über  jene  „Grenzen“  hinaus.  Was  wir  damit  der
Erscheinungswelt  unterlegen,  sind  ja  nur  verständige  Umdichtungen
ihrer  selbst.  Verständig  sind  diese  Ausmalungen  übrigens  nur  den  sinnlichen ­
  Erscheinungen  gegenüber,  nicht  auch  für  die  seelischen  Erscheinungen, ­
  für  die  bloßen  Empfindungen,  die  wir  aus  ihrer  vorgegebenen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.