Full text: Wirtschaft als Leben

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Ausblicke, VII. 
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worden, daß man seine Ansicht ganz unverhohlen aussprechen kann. 
Überhaupt habe ich im allgemeinen das Glück, gegen Ansichten zu 
streiten, die wir niemand zurechnen, weil wir sie mehr oder minder 
alle teilen l Da ist der einzelne zum vollen Ausmaß das Opfer, aber 
zum kleinsten Bruchteil der Schuldige. 
Der Angriff gegen jenes „Prinzip“ gehört durchaus zur Fehde 
gegen die Wörterei. Für die Nationalökonomie gilt es da, ihre Eman 
zipation vom urwüchsigen, „alltäglichen“ Denken zu erstreben. Jenes 
„Prinzip“ aber trägt leuchtend die Züge der — mit Respekt vor uns allen, 
den Fachleuten der Alltäglichkeit, gesagt — dummpfiffigen Art des 
alltäglichen Denkens, das eben stets nur auf den Vorteil unseres Han 
delns, aber nie auf seine eigene Gültigkeit bedacht ist. Die Seelen 
verwandtschaft mit dem Alltäglichen ist wohl auch der Grund, weshalb 
die Wissenschaft vom Alltäglichen dieses „Prinzip“ geduldig auf der 
Stirne trägt; sonst wäre es nicht einmal aus ihrer Jugend zu erklären 1 
Denn so vernünftig es zweifellos gemeint ist, der Fassung nach 
ist es heller Widersinn 1 „Den höchsten Nutzen mit den geringsten 
Kosten zu erzielen“ wie kann man zwei Superlative so gegeneinander 
hetzen, daß sie sich gegenseitig den Boden wegziehen 1 Will man die 
wässerigen Ausdrücke „Nutzen“ und „Kosten“ überhaupt ernst nehmen, 
und das ist doch Voraussetzung dabei, so kann man wohl einen ge 
gebenen „Nutzen“ mit den geringsten „Kosten“, oder mit gegebenen 
„Kosten“ den höchsten „Nutzen“ zu erzielen suchen; aber beides in 
einem Atem, das heißt ungefähr „Wasch’ mir den Pelz und mach’ mir’n 
nicht naß 1“ Schön wäre es ja, aber möglich ist es nicht; und so ist 
es nicht schön, eine machtvoll aufgeblühte Wissenschaft auch nur 
äußerlich auf solchen Unfall im Denken zu gründen. Das ist noch 
nicht alles. Sinn dieses „Prinzipes“ ist es unbestreitbar, ein bestimm 
tes Handeln auszugrenzen, dem sich die Nationalökonomie als ihrem 
„Gebiete“ zuwendet. Sehen wir uns also die richtige Fassung an, die 
einzigmögliche. Die kürzeste Überlegung bringt da auf etwas, das ich 
hier nicht in der strengen Form zeigen kann, in der es zu zeigen 
möglich wäre. Was nämlich als „Sparen mit den Kosten“ und als 
„Trachten nach dem Nutzen“ gemeint ist, kennzeichnet durchaus nicht 
ein bestimmtes Handeln. Denn so gebärdet sich das „Zweckhandeln“ 
überhaupt, oder es verneint sich selber. Allerdings nur, soweit es ein 
Handeln unter Not ist. Darunter braucht man aber nicht gleich 
an hohlwangige Verhältnisse zu denken; es ist einfach unser Handeln, 
die wir nicht in Schlaraffia leben; und selbst dort kehrte im Hinblick 
auf die Zeit doch wieder die liebe Not ein. Not ist hier das Vor 
handensein von Grenzen, und wenn sie noch so milliardenhaft
	        
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