Ausblicke, X.
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die Aufgabe unserer Erkenntnis 1 dort das Streben nach dem Einerlei,
hier das Streben nach der Einheit. Am sekundären Wechsel
gabelt nur mehr die Art und Weise im Erfassen der Einheit
Das Streben nach der Einheit bleibt von diesem Wechsel unberührt
Nun käme jener gewähnte tertiäre Wechsel. Von ihm soll es ab-
hängen, ob das Begriffssystem bloßes „Requisit -4 oder Selbstzweck
wäre; ob der Sonderbegriff oder der Artbegriff vorherrsche. Aber der
Vortritt des Sonderbegriffes ist unzertrennlich vom Streben nach der
Einheit. Somit wäre das Streben nach der Einheit für diesen tertiären
Wechsel ein bloßer Wahlfall. Mit diesem tertiären Wechsel sollte
also gleichsam ins Wanken kommen, was selbst dort ein Ruhendes
ist, wo es noch auf Sein oder Nichtsein der ganzen schildernden Wissen
schaft ankommt 1 Das will sagen, im Rahmen der schildernden Wissen
schaft würde vom Belieben des Gesichtspunktes etwas abhängen, was
schon dort allem Belieben entrückt ist, wo es der schildernden Wissen
schaft immer noch freisteht, mit ihrem Gegenstände zugleich, dem
Menschheitsleben, um sich selber zu kommen. Auf solche Weise ist
jener Gedanke ein in sich unmöglicher, und der Zweifel, den er nährt,
alles vernünftigen Sinnes bar.
Erwägungen von so prinzipieller Wucht bedürfen keiner Stütze;
sie können sie nicht finden, weil alles andere an ihnen Stütze sucht.
Ich habe von Beginn an darauf hingelenkt, und nun steht es für alle
weitere Erwägung erst recht außer Frage, daß nicht die schildernde
Wissenschaft selber, sondern bloß eine didaktische Reduktion
vorliegt, wo ein System ihrer Artbegriffe ausgebaut ist. Als
solches zu erscheinen, besagt für die Wissenschaft vom Menschheits
leben auf jeden Fall schon ihr reduziertes Aussehen! Das Wortspiel
trifft hier zu, weil ja eine bessere Reduktion dieser Wissenschaft
absehbar geworden ist. Diese grundsätzlichen Verhältnisse verbieten
es, das Begriffs-System der schildernden Wissenschaft
in eine Reihe mit den Begriffs-Systemen der Natur zu
stellen, die in der Zoologie, Botanik, Mineralogie den Kern dieser
Wissenschaften ausmachen, auf dem geraden Wege nach ihrem Er
kenntnisziele liegend. Die Natur-Systeme dienen ja dem Streben nach
dem Einerlei genau so, wie es am vollkommensten das Naturgesetz
tut. Dieser Abstand von System zu System läßt sich ebensowenig
noch anders erhärten, nachdem einmal seine letzten Gründe vorliegen,
wie diese selber. Aber die Gegensätze zwischen dem Systeme der
schildernden Wissenschaft und den Systemen der Natur will ich in
Kürze beleuchten.
In den „systematischen“ Naturwissenschaften beziehen sich die