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,Die Herrschaft des Wortes“,
Artbegriffe auf die Gegenstände des zerfällenden Denkens, in der
schildernden Wissenschaft auf die Gegenstände des unzerfällenden
Denkens. Wie es noch etwas klarer werden soll, läßt dieser Unter
schied nicht mit sich spaßen; dem praktischen Erfolg nach aber ist
das Wort mächtig genug, um ihn zu verschleiern. Für unser wortes-
fürchtig Denken macht es ganz gewaltig etwas aus, daß man z. B. von
„Elefant“ genau so einwörtlich reden kann, wie von „Freund“ oder
„König“. Von Namen zu Namen spaziert es sich durch die Welt des
Handelns nicht anders wie durch die Natur! Das sind zunächst Ein
drücke des urwüchsigen Denkens. Allein, in der Wissenschaft ist kein
Denken so sehr von der rotbäckigen Alltäglichkeit angekränkelt, wie
gerade das unzerfällende. Kein Wunder also, wenn sich Dieses in der
gleichen Rolle des Ordners und Sortierers wähnt, die nur dem
zerfällenden Denken vor der Natur zusteht. In der Welt des
Handelns, wo der Begriff ständig vor dem Begriffenen da ist, kommt
alles Sortieren zu spät. Nur abermals das Wort täuscht hier über
den Sachverhalt, und tut es dieses zweite Mal mittelbar. Manches, das
im Vollzüge oder Bestehen den gleichen schöpferischen Begriffen folgt,
trägt verschiedene Namen; vieles umgekehrt den gleichen Namen,
obwohl es ganz verschiedenen Begriffen folgt. Hier will diese Neckerei
schon etwas besagen, wo doch die Reibung mit der „populären Nomen
klatur“ eine weitaus schärfere ist; denn hier ist einfach alles schon
zu seinen eingewurzelten Namen gekommen, ehe ein „systematisches“
Denken eingreift. Auch will das nennende Wort hier ganz anders
respektiert sein, weil es dem schöpferischen Begriffe verwachsen ist.
Deshalb bleibt es doch nur das Streben, eine eingerissene Unordnung
wieder gut zu machen, was hier in der selbstgefälligen Maske
des „Ordnens“ auftrittl
Nach der Art, wie uns alle Natur zur Erfahrung wird, sind uns
die Gegenstände, auf die sich die Artbegriffe der Natur-Systeme be
ziehen, ein Fremdes, Vorgegebenes; sie erscheinen zugleich als
Primäres gegenüber dem Sekundären der Erscheinungen. Die
Gegenstände aus der Welt des Handelns sind uns zunächst nur mit dem
nennenden Worte gegeben. Für ihren eigenen Teil sind sie nichts weniger
denn Primäres; da sie lauter denkende Umformungen des Erlebten,
sind sie Geschöpfe unseres Denkens; nicht gleich in dem Maße, als es
z. B. in der Mathematik, in einer richtigen „Begriffswissenschaft“ gilt,
deren Gegenstände im buchstäblichsten Sinne Geschöpfe unseres
Denkens sind — Ziffern und Figuren besagen ja nur hilfreiche Symbole
dieser Gedankenbewegung 1 Die Gegenstände der Welt des Handelns
sind eine Schöpfung unseres Denkens auf einem Umwege: auf