Ausblicke, XI.
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erschließen, und nie anders, als daß wir uns in jeden einzelnen Fall
hineinversetzen 1
Jene Erlebungen, um das einzuflicken, sind in solchem Grade
primär, daß ihnen gegenüber unser Denken selber als das Sekundäre
erscheinen könnte. Nur ist Dies eine rein ausmalende Vorstellung,
sie will nur den Sachverhalt pointieren, will Beziehungen klären. Aber
man darf keine sachliche Aussage dahinter suchen, vielleicht über die
„Urzeit“. Wie sie dem Arbeitsfelde der schildernden Wissenschaft an
gehörte, kann von einer „vorgeschichtlichen“, einer „Urzeit im wesent
lichsten Sinne nur vom Boden des unzerfällenden Denkens aus
geredet werden. Aber selbst das unzerfällende Denken weiß es
Münchhausen nicht gleichzutun, wenn er sich beim eigenen Zopfe aus
dem Sumpfe zieht. Über die Wurzel aller Erfahrung kann man nicht
mehr erfahrungswissenschaftlich denken — da pfuscht man ins Meta
physische! So bleibt für das unzerfällende Denken kaum mehr ein
Anlaß, der Gefahren zu achten, die unser Geist überall dort lauft, wo
die gedachte und die erlebte Zeit aufeinander prallen. Es drohen
da Fehler, die den Schein der plattesten Logik für sich haben; nur
daß sie nicht immer so greifbar zu sein brauchen, wie jener entfernt
Verwandte von ihnen, der uns nach einem mächtigeren Mikroskope
trachten ließe, um Molekeln und Atome doch endlich „sehen zu
können; denn berechnen lassen sich diese in ihrer Größe durchaus
einwandsfrei, und somit scheinbar auch der Abstand, der sich noch
bis zur erforderlichen „Vergrößerung“ dehnt.
Aber selbst dort, wo das unzerfällende Denken noch lange nicht
der Metaphysik ins ' Gehege käme, auf Kosten seiner Gültigkeit,
wird man es mit ausmalenden Vorstellungen jener Art sehr heikel
nehmen müssen. So wird z. B. abermals ein Sachverhalt pointiert,
Beziehungen werden klarer, wenn man sich vorstellt, daß auf das
„Rauben“ nicht sofort das „Tauschen“ folgen könnte. Der Gedanke
eines „wechselseitigen und dauernden Verzichtes auf Habe“, der ist ein
viel zu verwickelter, um eine plötzliche Eingebung zu sein; um nicht
vielmehr löffelweiser Einflößung zu bedürfen, im Sinne vermittelnder
Zwischenglieder des Geschehens. Da hilft sogar das Hineindichten
einer „Gabe der Wertschätzung“ gar nichts Wesentliches. Anders,
wenn wir etwa an die „gütlich und im voraus erlegte Buße“ dächten,
um uns wenigsten Ein” Mittelglied vor Augen zu halten. Und erst
dabei, nebenbei gesagt, könnte sich der Gedanke jener „Gleichheit
artverschiedener Mengen“ herausbilden, die eine notwendige Fiktion
des juristischen Denkens bleiben wird, auch wenn der Wertwahn des
Unzerfällenden Denkens längst verflogen ist. Kurz, Beziehungen