fullscreen: Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte

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11. Der Markt von Lübeck 
daß sie auf einen Nenner gebracht werden könnten. Das lehrt mit deutlicher 
Sprache der Lübecker Markt. Bäcker und Schuster, Fleischer und Krämer, 
Riemenschneider und Goldschmiede, Wollenweber und ihre glücklicheren 
Rivalen, die Gewandschneider: sie alle wollen nach den besonderen Ver- 
hältnissen ihrer wirtschaftlichen und sozialen Stellung innerhalb der Ein- 
heit des gesamten städtischen Wirtschaftslebens beurteilt werden, Aus ihrer 
sehr verschiedenartigen Stellung zum Markt und seinen Einrichtungen sind 
hier Einblicke zu gewinnen, wie sie anderes Quellenmaterial auch nicht 
annähernd so gut zu vermitteln vermag. Und doch verlangt die gewonnene 
Erkenntnis noch weitere Ergänzung außerhalb des hier behandelten Quellen- 
stoffes. Die Marktstatistik der Gewandschneider mit ihren überraschenden 
Aufschlüssen über die Art ihrer Tätigkeit im 13. Jahrhundert und die Ver- 
schiebung ihrer beruflichen Verhältnisse seitdem — sie führt hinüber zu 
Fragen, die mit dem Markte nichts mehr zu tun haben: die Tätigkeit der 
Gewandschneider auf dem Markt ist erst richtig einzuschätzen, wenn die 
Fernhandelsverhältnisse in ihrem Wandel ausreichend untersucht sind. Und 
vollends erst im Zusammenhang mit der Entwicklung des lübeckischen 
Handels über See sind jene wichtigen, hier nur angedeuteten Fragen zu 
lösen: wie es kam, daß um 1300 die Nachfahren alter Familien mit hochwerti- 
zem Grundbesitz zum Teil wirtschaftlich zusammenbrechen und Männern 
anderer sozialer Herkunft das Feld räumen-müssen. 
Schon diese wenigen Hinweise erfordern die Verarbeitung weiteren 
Lübecker Quellenstoffes, Andrerseits möchte das schon hier fest Gewonnene 
mit den Ergebnissen der Forschungen für andere Städte in Beziehung 
gesetzt werden. Lübecks ältere Geschichte hat immer wieder Berührungs- 
punkte mit der Freiburgs i. Br. ergeben; zugleich lockt ein Vergleich mit den 
jüngeren ostdeutschen Gründungen, namentlich mit den von Lübeck selbst 
mit veranlaßten!?!). Auch lohnt ein Gegenüberstellen der Lübecker und der 
Kölner Marktkarte, wie sie in der Topographie der Stadt Köln wieder- 
gegeben ist. Die einfacheren, klareren Verhältnisse der Gründungsstadt 
kommen hier ebenso deutlich zum Ausdruck, wie ja auch sonst der im Ver- 
hältnis zu der Kompliziertheit der Kölner Zustände geradezu rationalistisch- 
nüchterne, aber doch auch organisatorisch überlegene Zug der gesamten 
Verfassungsverhältnisse Lübecks festzustellen ist!??). Endlich fordert die 
topographische Behandlung des Marktes zum Vergleich des Marktes als 
Siedlungsstätte mit den übrigen Stadtteilen auf: der Gegensatz der winzigen 
Budengrundstücke auf dem Markte zu den langgedehnten areae der Wohn- 
grundstücke auf der Karte gibt hier einige Hinweise an die Hand. Hier 
mündet diese Untersuchung ein in jene ergebnisreichen Versuche der letzten 
Jahrzehnte, den Stadtplan als Geschichtsquelle fruchtbar zu machen. 
Unwillkürlich spricht dieses Schlußwort mehr von dem, was noch zu tun 
ist, als von dem, was es eigentlich abschließen soll. Aber schon die Fragen
	        
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