Full text: Wirtschaft als Leben

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p Die Grenzen der Geschichte“, 
stetige Folge, ein Kontinuum, und zwar im Sinne einer Abzweigung 
des ersteren aus dem letzteren, über das Mittelglied einer Urzeit hinüber. 
Diesem Kontinuum des Geschehens stünde dann ein Konti 
nuum der Erkenntnis gegenüber. Alle Wissenschaft, die dem 
Geschehen in die Zeit nachgeht, den Blick auf die Vergangenheit ge 
richtet, wäre im Grunde nur die eine und selbe. Zwar hat es der 
hier mit Steinen, der andere mit Lebewesen, ein dritter mit Menschen 
schicksalen zu tun. Im Grundsätze aber würden sich die einzelnen 
Disziplinen gleichsam nur nach der verschiedenen Position 
zum Gesamt geschehen voneinander sondern. Der Historiker durch 
forscht an der Hand seiner Quellen die nähere Vergangenheit. Der 
Prähistoriker spürt dem Menschentume bis in jenes Dunkel der Zeiten 
nach, aus dem keinerlei Überlieferung, nur mehr kärgliche Reste auf 
uns gekommen sind. Und sie beide überholt der Blick des Geologen, 
der über die Jahrmillionen hin der Erdgeschichte schweift. So löst der 
eine den anderen in der Erfüllung der wesensgleichen Aufgabe ab, 
der Vorstellung gemäß, daß dort, wo die Geschichte verstummt, erst 
noch die Steine zu reden beginnen. Historie, Prähistorie, historische 
Geologie, und dazu die Entwicklungsgeschichte der Tiere und Pflanzen, 
sie alle wären danach Schwestern im Geiste, „historische“ Wissenschaft 
im weitesten Sinne des Wortes. Das will sagen, es müßte dieser 
ganze Disziplinenkomplex von innerer Einheit und Ge 
schlossenheit sein, in Grund und Wesen homogen. Und dies 
als eine zwingende Folgerung aus jenen Anschauungen, weil man eben 
dem Kontinuum des Geschehens folgerichtig das Kontinuum der Er 
kenntnis beidenken muß. 
Hier bietet sich nun die Möglichkeit, die Prämissen auf ihre Gültig 
keit zu prüfen, indem man an ihrer zwingenden Folgerung Kritik übt. 
Ich will an dem Verhältnisse der Historie zur histo 
rischen Geologie zeigen, daß eben doch ein tiefer und 
scharfer Riß durch jene Gruppe der „historischen“ Dis 
ziplinen geht, von durchaus grundsätzlicher Bedeutung. 
In diesem Sinne suche ich jener Lösung unseres Problemes, die so 
selbstverständlich, so unangreifbar scheint, durch Erkenntniskritik 
beizukommen. Um aber nicht gar zu abstrakt zu bleiben, führe ich 
diese Kernthese meiner Ausführungen an einer Art Schulbeispiel durch.
	        
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