Full text : Wirtschaft als Leben

358

,Die  Grenzen  der  Geschichte“,

Problemes  anmaßen,  die  widerspruchsvolle  Rolle  einer  erfahrungswissenschaltlichen
  Metaphysik  spielen;  ich  riskiere  daher  für  diese
Gruppe  von  Wissenschaften  den  Namen  der  Metahistorie.  Und
unverhohlen  heißt  dies  der  Katze  eine  Schelle  angehängt,  um  ihr  das
Mausen  metaphysischer  Probleme  zu  legen.  Aber  auch  nicht  mehrl
Denn  mit  dieser  Absonderung  der  metahistorischen  von  der  historischen ­
  Erkenntnis  will  ich  dem  wissenschaftlichen  Ernst  der  geologischen
und  biogenetischen  Disziplinen  auch  nicht  im  mindesten  nahetreten.
Was  ich  im  Schilde  führe,  das  sind  ja  nur  erkenntniskritische  Bedenken
gegen  eine  Verquickung  der  Historie  und  Metahistorie,  eben  bei
jener  anscheinend  so  selbstverständlichen  Antwort  auf  die  Frage,  was
man  von  den  realen  Ausläufen  des  historischen  Geschehens  denken
soll.  Hier  aber  ist  Vorsicht  wirklich  geboten.  Sobald  man  die  metahistorischen ­
  Lehren  richtig  erfaßt,  eine  erfahrungswissenschaftlich  gültige,
ja  vielleicht  die  beste  Ordnung  der  räumlichen  Dinge  in  ihnen  erblickt,
so  mögen  sie  von  der  höchsten  wissenschaftlichen  Bedeutung  sein;  und
meiner  unmaßgeblichen  Meinung  nach  sind  sie  es  auch.  Und  dabei
könnten  sie  trotzdem  absolut  ungeeignet  sein,  über  die  realen  Ausläufe
des  historischen  Geschehens  zu  entscheiden.  Das  gehört  eben  auf  ein
ganz  anderes  Blatt!
Es  ist  wahr,  man  braucht  nur  an  das  wunderbar  überzeugende
Wechselspiel  zu  denken,  zwischen  der  Lagerung  der  Gesteine,  ihrem
Einschluß  an  Versteinerungen  und  der  ontogenetischen  Entwicklung,
und  wird  zugeben,  daß  sich  uns  der  metahistorische  Schluß  oft  mit
einer  Wucht  seiner  Gültigkeit  aufdrängt,  die  ihresgleichen  sucht.  Ein
anderes  aber  ist  die  logische  Würde  einer  Disziplin,  sagen  wir  die
Erkenntniswürde  ihrer  Ergebnisse,  und  ein  ganz  anderes  ist  der
Wirklichkeitsgehalt  dieser  Ergebnisse.  Da  können  doch  ganz
prinzipielle  Stufungen  gelten,  gleich  von  Haus  aus,  so  daß  alle  Gunst
der  Schlüsse  und  aller  wissenschaftliche  Wetteifer  den  Unterschied  nicht
mehr  auszutilgen,  den  Vorsprung  nicht  mehr  einzuholen  vermag.  Gewiß, ­
  man  kann  in  Holz  sehr  solide  und  man  kann  in  Stein  wieder
sehr  schleuderhaft  bauen;  deshalb  sagt  Steinbau  doch  etwas  spezifisch
anderes  denn  Holzbau.  An  dieses  Gleichnis  werden  uns  die  Ergebnisse ­
  der  kommenden  Ausführungen  gemahnen.  Und  abermals  ist  es
das  Verhältnis  zum  Geschehen,  was  sich  als  der  wunde  Punkt  der
Metahistorie  herausstellt  I
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.