Abschnitt III.
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Die Einsicht, wie der Sinn der historischen Erkenntnis in
einem ausgesprochenen Gegensatz zu dem Sinn der metahisto
rischen Erkenntnis steht, läßt sich noch vertiefen. Es korrespondiert
dieser formelle Gegensatz mit sehr bedeutsamen materiellen
Unterschieden zwischen Historie und Metahistorie.
Diese Abstände zwischen den beiden Erkenntnisgebieten lassen sich
auf den einen Posten bringen, daß hüben und drüben das
Geschehen, dem sich die Erkenntnis zuwendet, gleich
sam schon in der Substanz ein verschiedenes ist.
Nicht bloß der Inhalt des Geschehens ist ein anderer, dort z. B.
Menschenschicksale, hier wieder Wandlungen in der Gesteinslage; das
Geschehen selber, als Gefäß dieses Inhaltes, ist da und dort ein anderes.
Das Geschehen, das die Historie um seiner selbst willen zu erschließen
sucht, weicht in seiner innersten Struktur von dem Geschehen ab, das
die Metahistorie gemäß den Beziehungen der räumlichen Dinge inter
poliert, um sie zeithaft zu ordnen. Wer unseren landläufigen An
schauungen Glauben schenkt, würde hier freilich nur den vielumstrittenen
Gegensatz zwischen „teleologischer“ und „kausaler Er
klärung“ vor sich sehen. Diese Meinung bedarf aber einer
Korrektur, und gerade dafür bewährt sich unser Schulbeispiel vor
trefflich. Bei ihm sind nämlich die Tatsachen, von denen die Er
kenntnis ihren Ausgang nimmt, für Historie und Metahistorie von der
gleichen Natur: Formen des Gesteines. So bleibt es hier vermieden,
daß sich die fraglichen Abstände hinter die Verschiedenheit der Aus
gangspunkte verkriechen und zugleich mit dieser übersehen werden.
Fragen wir uns zunächst, wie der Geologe dazu gelangt, jenes
„Felsenmeer“ aus einem Verwitterungsprozeß zu erklären. Ich habe
erwähnt, daß auch hier eine Interpretation vor sich geht, die sich aber
von Haus aus in den Dienst der Interpolation stellt. Die Art nun,
wie der Geologe hier ein Sein in Geschehen umdeutet, ist eine überaus
schlichte. Sie beruht auf der erfahrungsmäßigen Kenntnis
kausaler Verkettungen, die eins sind mit Abfolgen von Er
scheinungen. Man weiß aus der Erfahrung, daß — schematisch ge
sprochen — auf A ein B folgt, auf D ein E, auf F ein G, und so eine
beliebige Reihe hindurch. Man weiß z. B., daß sickerndes Wasser an
den Bruchflächen des Steines nagt; nur steckt in einem solchen Er
fahrungssatze schon ein ganzes System kausaler Verkettungen, alle aber
nach dem Schema: auf A folgt B. Der Schluß vom Vorliegenden