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,Die Grenzen der Geschichte“,
Systeme der „Kulturen“ fortwährend das Damoklesschwert eines
wesentlichen Fortschrittes in der historischen, in jener Erkenntnis, die
ein erschlossenes Geschehen dem großen Geschehenszusammenhang
der Geschichte einzuflechten weiß. Hier wird uns dann das Prekäre
des metahistorischen Aufschlusses über die Vergangenheit auch
praktisch fühlbar. Das System der „Epochen“, das System der
„Stammbäume“, sie können freilich auf das Sprüchlein pochen: Weit
davon ist gut vorm Schuß. Das Überzeugende von allem, was die
Metahistorie über die Grenzen der Geschichte zu künden scheint,
hängt nicht zuletzt daran, daß sich für unsere Vorstellung zwischen die
geschichtliche Zeit und jene Vorgänge hinein eine „graue Vorzeit“
schiebt, hinter deren Nebel sich die Schwächen des metahistorischen
Erkennens gut verbergen. Was kommt es für eine so große Zeitdistanz
auf einen so kleinen Denkfehler anl
XXIII.
Das Moment der Zeitbestimmung war um so schärfer zu beleuchten,
als ja die absoluten Zeitangaben, die in der Metahistorie meist so stolz,
in der Historie stets so armselig aussehen, eine hervorragende Rolle
in dieser ganzen Komödie der Irrungen spielen. Es kommen da
Eindrücke zustande, die mehr als alles übrige über das wahre
Verhältnis zwischen Historie und Metahistorie in die Irre führen. Das
gleiche Ausdrucksmittel, die Zahl von Jahren, verschleiert den
tiefen prinzipiellen Abstand, und die arithmetische Folge der Ziffern
täuscht uns das innige Verhältnis einer Sukzession zwischen etwas
vor, das füreinander absolut irrelevant ist. Von daher
dann die geringschätzige Meinung vom Historischen: als ob das ganze,
uns übersehbare historische Geschehen nur ein „geologisches Heute“
wäre. Von daher auch der Spott über den Namen der „Welt
geschichte“, den sich die einheitliche Darstellung der historischen
Ergebnisse beizulegen pflegt. Von daher die Anschauung, daß
Geologie und ihresgleichen die mächtigen Werkfortsetzer der Historie
wären, daß der Blick des Geologen den Blick des Historikers bis ins
ungemessene überholt. Als ob man dort von einem „Überholen
reden dürfte, wo zwar die gleichbenannte Zahl hüben und drüben
zum Ausdrucksmittel wird, für etwas aber, das unter sich überhaupt
in keiner greifbaren Beziehung steht I Nicht weiter oder tiefer als der
Historiker blickt der Metahistoriker in die Vergangenheit, aus dem ein
fachen Grunde, weil sich das Verhältnis des Historikers