Full text: Wirtschaft als Leben

Anhang, XXVII. 
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Gegenwart und Vergangenheit bloße Relationen sind. Ein gültiger 
Aufschluß über die Vergangenheit ist daher nur von einer Erkenntnis 
zu erwarten, die auf dem Boden der empirischen Wirklichkeit 
steht. Dies trifft allein für die historische Erkenntnis zu; in der 
Weise, daß sie den Geschehenszusammenhang der Geschichte auf 
zurollen sucht, der ja in seiner richtig verstandenen Totalität mit dem 
Geschehenssystem der empirischen Wirklichkeit zusammenfällt. Alles, 
was die historische Erkenntnis über das Vergangene uns übermittelt, 
ist so gemeint, daß es unserer erlebten Gegenwart gleichwertig 
wäre; und dies nicht bloß in dem formellen Sinne des natur 
wissenschaftlichen Postulates vom Beharren der „Naturgesetze“. 
Die Metahistorie aber kann deshalb nie einen Aufschluß über 
die Vergangenheit erbringen, der uns schlechthin wahr oder falsch 
erscheinen dürfte, weil sie die n aturwiss enschaftliche Erkenntnis 
zur Grundlage hat, also von Haus aus nicht auf dem Boden der 
empirischen Wirklichkeit steht. Auch kann sie dem Kausalzusammen 
hang der Erscheinungen aus dem einfachen Grunde nicht so nach 
eifern, wie es der Historie gegenüber der Geschichte gelingt, weil 
auch dieser Kausalzusammenhang schon ein Geschöpf unseres 
Denkens ist, und nur in dem kärglichen Maße aufhört, gar nur ein 
Ding der bloßen Vorstellung zu sein, als wir im Wege des Denkens 
von der empirischen Wirklichkeit abgehen, z. B. also Erlebungen zu 
Natur wandeln. Das metahistorische System kann daher nie mehr 
Bedeutung haben als die einer zeithaften Entfaltung der 
Abstraktion „Natur“, vollzogen aus Gründen wissen 
schaftlicher Zweckmäßigkeit. Deshalb fehlt auch den meta 
historischen Ergebnissen aller Wirklichkeitsgehalt; sie haben rein nur 
den formellen Gehalt, der ihnen kraft der Zweckmäßigkeit jener zeit 
haften Entfaltung zusteht. 
Es legt sich hier eine Parallele zwischen Metahistorie und 
Atomistik nahe. Beide gehen nicht von der empirischen Wirklich 
keit aus, sondern von ihrer gedanklichen Verarbeitung zu Natur. 
Beide entfernen sich, im Wege einer rein gedanklichen 
Konstruktion, noch um einen wesentlichen Schritt von dem 
schlechthin Gegebenen. In der Tat gilt dies auch von der Metahistorie; 
obgleich sie in einem besseren Rufe steht, obgleich sich z. B. nur 
gegen die Atomistik der Ruf nach „hypothesenfreier Naturwissenschaft“ 
erhebt — freilich nicht unwidersprochen. Wieso die Metahistorie 
etwas voraus zu haben scheint, soll noch erwähnt werden. 
Bei der weiteren gedanklichen Verarbeitung, die Metahistorie ebenso 
wie Atomistik mit der empirischen Wirklichkeit vornehmen, ergänzen
	        
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