Wirtschaftsgebiet ausdehnte, das den Niederländer zu enger Ver-
bindung mit dem Rheinländer und Westphalen einlud. Die po-
litischen Grenzen haben hier diese nahen Beziehungen nie unter-
brechen können; Binnenhandel und Binnenschiffahrt verknüpften
als feste Klammern die politisch getrennten Bevölkerungen gleichen
Volksstammes; mochten die staatlichen Geschicke sich hier und
dort wandeln, die Sprachunterschiede sich allmählich schärfer her-
ausbilden, in der Wirtschaft fanden sich diese Gebiete zu einem
unlösbaren Ganzen zusammen. Wiesen aber die natürlichen Ver-
hältnisse Holland hin auf die Stellung eines Ein- und Ausfalltores
Deutschlands, so war Holland in enger Verbindung mit dieser Be-
stimmung zugleich ein Brückenkopf auf dem Festlande in den Be-
ziehungen zu England. Die Aufgabe Hollands als eines Mittel-
gliedes im deutsch-britischen und später im ozeanischen Verkehr
ging aus seiner geographischen Lage mit zwingender Notwendigkeit
hervor und fand nur in Flandern einen Konkurrenten. Wir werden
weiterhin sehen, welch’ große Bedeutung diese Stellung Hollands
im Laufe der Jahrhunderte für seine wirtschaftliche Entwicklung
gehabt hat. Der Besitz der Rheinmündung, die im 16. Jahr-
hundert dem Deutschen Reiche verloren ging, ist auch späterhin
noch wiederholt ein Kampfobjekt in dem wirtschaftlichen Streite
der großen Mächte gewesen.
Außer den natürlichen Vorbedingungen des Wirtschafts-
lebens kamen dann für dieses gewisse historisch-politische
Eigenheiten in Betracht. So die mangelnde Zentralisation, die es nie zu
einem eigentlichen anerkannten politischen Mittelpunkte hat kommen
lassen und die Zersplitterung des staatlichen Lebens stark befördert
hat; dann das Fehlen dynastischer Einflüsse und die Nichtbe-
teiligung an den kontinentalen Machtkämpfen, die im 17. und
18. Jahrhundert auch das Wirtschaftsleben tief beeinflußten. Daß
in Nordeuropa die Niederlande als einzige Republik bestanden,
verlieh ihnen gewiß eine einzigartige Stellung, die ihre wirtschaft-
liche Bewegungsfreiheit unzweifelhaft verstärkt hat. Doch darf
dieser Faktor nicht überschätzt werden, da auch schon unter fürst-
licher Herrschaft dieses Gebiet eine große merkantile Rolle gespielt
hat und in kritischen Zeiten die Niederländer doch ihre Zuflucht
zu einer halben Monarchie, wie sie die Statthalterschaft der Oranier
darstellte, zu nehmen pflegten. Aber die Eigenart dieser Republik
+
|»