492
,Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung“,
sich nicht mehr um ein Konkretum von der Anschaulichkeit unseres
Berges handelt, geschieht sie sofort nach der kategorialen Anweisung
eines Kollektivbegriffes. Auch wissen wir, wie im Gedankenkreise
unseres Beispieles einzig und allein raumhafte Zusammenfassungen
in Frage kommen. Immerhin sind es der Schemata, die sich in
solchem Geiste auf die Wirklichkeit anwenden ließen, unübersehbar
viele: weshalb entscheiden wir uns also für jene ganz bestimmten
Formungen? Was führt uns mit solcher Sicherheit darauf, aus dem
Allzusammenhang heraus gerade diese bestimmten Systeme und Teil
systeme zu entwickeln? Ohne Zweifel müßten wir erst darüber im
reinen sein, ehe wir recht begreifen, wie gewisse Individuen die Zu
sammenfassung bald positiv, bald negativ unterstützen, also bald im
integralen, bald im differentialen Sinne von explikatorischer Bedeutung
sind. Jenen Problemen wendet sich erst das letzte Kapitel zu. So ist
es nur obenhin möglich, noch in diesem Zusammenhang Dinge zu
erledigen, die sich besonders lebhaft mit jenen Problemen überkreuzen.
Jede Explikation eines Systems bewegt sich über zwei ver
schiedene Arten von Individuen hinweg; man beachte ein
fach den Gegensatz zwischen Süd- und Nordamerika auf der einen
Seite, der Landenge von Panama auf der anderen. Es steht also gleich
sam das Passiv-Individuelle der Teilsysteme im Gegensatz zum
Aktiv-Individuellen der charakteristischen Individuen. Jene das
Geschiedene, diese das Scheidende. Denkt man sich die Ex
plikation in verkehrter Richtung vorgenommen, als den gedanklichen
A u fb a u des Systems, so versinnlicht alles Passiv-Individuelle die
Quadern, das Aktiv-Individuelle den Mörtel. Der Historiker übrigens
wird hier unwillkürlich des Gegensatzes zwischen den „Epochen“ und
dem „Epochalen“ gedenken. Aus dem umfassenden System heraus
werden aber sowohl die einen wie die anderen Individuen als
Glieder explikativ entwickelt. Ziehen wir nun die Explikation als
jenen einheitlichen Prozeß in Betracht, der das Ganze der idio-
graphischen Erkenntnis theoretisch aufwiegt, und nehmen wir diesen
Prozeß als einen gleichförmig sich vollziehenden an, so erhellt, daß die
Explikation weiterhin auf sämtliche Glieder übergreift; also nicht
bloß auf die Teilsysteme, sondern auch auf das Aktiv-Individuelle der
charakteristischen Individuen. Stellen doch auch Diese
explizierbare Systeme dar, weil sie anders überhaupt nicht als Individuen
denkbar wären. Nun sind aber diese charakteristischen Individuen,
würdigt man ihre kategoriale Unterlage, ungleich weniger um
fassend als jene Systeme des Passiv-Individuellen, die zugleich
mit ihnen der Explikation unterzogen werden. Dieses „minder Um-