Full text: Wirtschaft als Leben

Der Stoff der Sozialwissenschaft, I, A. 
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um über den letzteren hinüber zur Aussage zu führen. Man halte 
dies nicht für eine Frage, wie eine schnelle Erfassung allein mög 
lich wäre. Im Gegenteil, je mehr wir uns Zeit ließen, das Erlebnis 
nach Sinneseindrücken wahllos zu differenzieren, desto verwirrender 
wird die Fülle dessen, vor dem wir rat- und hilflos stünden 1 Freilich 
fällt es uns leicht, die wir alle mehr oder minder im naturwissen 
schaftlichen Beobachten geschult sind, unsere Aufmerksamkeit auf 
einen bestimmten Punkt einzustellen und hier nun die Sinnesdaten 
irgendwelcher Art zu registrieren. Aber dies setzt doch voraus, daß 
wir uns im Angesichte des Erlebens schon irgendwie zurecht 
gefunden haben; erst einer denkend schon bewältigten 
Sachlage gegenüber lassen wir dann, in Willkür, jene Beobachtung 
eintreten, die mit dem Registrieren von Sinnesdaten eins ist. Wir 
finden uns aber nur so zurecht, daß wir der verwirrenden Fülle 
gegenüber an etwas anderem unseren Rückhalt suchen. Dies be 
sorgen nun jene intuitiven Hypothesen nach dem Typus der Aussage 
A, deren uns die Analogie zum eigenen Erleben fähig macht. Denn 
es handelt sich stets um Annahmen von Subjektbekundungen; 
über diese aber klärt uns an letzter Stelle allein die Art und Weise 
auf, wie sich unser eigenes Ich auslebt. 
Von hier aus wird uns der „Anim ismus“ des primitiven Denkens 
als eine absolute Notwendigkeit verständlich! Es ist ein Umsatz des 
Erlebten in Denken gar nicht anders möglich, als daß man sich jenes 
Ariadnefadens bedient. So kommt es im tatsächlichen Erfolg dazu, 
daß sich der Primitive alle Vorgänge der Umwelt, und selbst seines 
eigenen Körpers, ja seines Denkens und Träumens, nach jenem 
„Schema“ zu deuten sucht, das er sich für sein eigenes Subjekt 
verhalten zurechtgelegt hat. Er „beseele“ die Natur, sagen wir, er 
hätte es überall mit dem zu tun, was wir „Geister“ nennen. Der an 
schauungsfrohe Dichter freut sich dieser Sache, die aber bloß ein 
nüchterner Zwang unseres Denkens ist. Denn ohne diese „Geister 
kämen auch wir nicht aus. Der Unterschied liegt nur darin, daß wir sie 
nicht in die Vorstellung hinübernehmen, die wir über die „Welt uns 
bilden. Unser Denken aber kann ihrer, genauer gesagt, der Sache, die 
sie personifizieren, niemals entbehren. Auch wir finden uns bloß an 
jenem Ariadnefaden im Wirrsal des Erlebens zurecht. Für den Primi 
tiven aber „rollt“ der Stein ganz buchstäblich so, wie wir selber 
„gehen“; er „tut rollen“, wie es die Volkssprache heute noch festhält. 
Allein auch für uns ist die Feststellung zunächst nicht anders möglich, 
als im Sinne einer Anerkennung des tätigen Verhaltens dessen, was 
w ir als „Rollendes“ und weiterhin erst als Stein erfassen. Nur daß es 
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