Full text : Wirtschaft als Leben

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,Zur  sozialwissenschaftlichen  Begriffsbildung“,

diesen  Ausdruck  „rot“  selber  zu  bilden  vermag.  Notwendig  steht  auch
dieser  Ausdruck  mit  der  „allgemeinbegrifflichen“  Natur  unseres  Denkens
im  Einklang.  Aber  dies  interessiert  uns  hier  nicht;  auch  nicht  die
symbolische  Bedeutung  des  als  „rot“  Ausgesagten,  etwa  als  „Farbe
der  Liebe“,  oder  „Parteifarbe“,  oder  auch  als  „Signal“.  Wir  ziehen
einziglich  in  Betracht,  daß  sich  dieser  Ausdruck  „rot“  auf  etwas  anschaulich ­
  Einfaches,  auf  eine  Erscheinung  bezieht;  dadurch
ermöglicht  es  uns  dieser  Ausdruck,  von  dem  zu  sprechen,  das
überhaupt  erst  zu  formen  ist  —  im  erkenntnistheoretischen
Sinne,  natürlich,  unabhängig  von  der  psychogenetischen  Sachlage,
wonach  für  Denken  und  Sprache  etwa  die  Formung  „Blut“  dem  „rot“
vielleicht  vorangetreten  ist.  In  gleicher  Weise  bringt  nun  auch  der
Ausdruck  „blicken“  das  noch  Ungeformte,  aber  schon  Formbare ­
  einer  Erlebung  zum  Ausdruck.  Was  mit  diesem  Ausdruck,
der  nicht  minder  ein  allgemeinbegrifflicher  ist,  hier  gemeint  wird,  ist
für  sich  selber  noch  kein  Gegenstand  unseres  begrifflichen  Denkens,
sondern  wieder  ein  Anschauliches.  In  der  Formung  dieses  Anschaulichen, ­
  so  daß  es  zu  etwas  Begrifflichem  wird,
beruht  nun  mit  unsere  „Erfahrung“.
Wer  mitten  im  Erleben  steht  und  sich  in  „Selbstvergessenheit“
dem  Anschaulichen  hingibt,  der  entzieht  sich  gerade  dadurch  dem
Erfahren,  dem  entgeht  noch  die  Erfahrung  dessen,  was  er  erlebt.  Um
Erleben  in  Erfahren  zu  wandeln,  muß  man  sich  denkend  über  das
Erlebte  Rechenschaft  ablegen,  im  Wege  der  Formung  des  Anschaulichen. ­
  Nur  unserer  anschaulichen  Vorstellung  steht  es  frei,
sich  der  Wirklichkeit  zu  bemächtigen,  ohne  sie  zu  formen.  In  dem
Grade,  wie  wir  diese  anschaulichen  Vorstellungen  zu  bewahren  und  das
anschaulich  Erlebte  somit  zu  „reproduzieren“  vermögen,  im  Sinne  des
Nacherlebens,  kann  die  Erfahrung  dem  Erleben  auch  nachhinken.
Das  Erlebte  wird  dann  so  geformt  und  in  Erfahrung  gewandelt,  wie
es  kraft  anschaulicher  Vorstellung  nacherlebt  werden  kann.  Erfahrung
schließt  in  diesem  erkenntnistheoretischen  Sinne  stets  begriffliche
Erfassung  ein,  Formung  des  anschaulich  Erlebten  oder  Nacherlebten.
Wie  es  nun  in  der  so  beschaffenen  Erfahrung  kein  „rot“  gibt,  das
wir  nicht  als  „Röte“  auf  ein  Ding  beziehen,  so  gibt  es  in  dieser
Erfahrung  auch  kein  „blicken“,  das  wir  nicht  als  „Blick“  gleichfalls
auf  ein  Ding  beziehen.  Während  aber  die  erstmögliche  Formung  des
„rot“  den  Sinn  einer  Eigenschaft  hat,  die  im  Geiste  derlnhären^
auf  ein  körperliches  Ding  bezogen  wird,  steht  es  mit  dem  „blicken
in  allen  drei  Punkten  anders.  Die  erstmögliche  Form  des  „blicken  >
der  „Blick“,  hat  den  kategorialen  Sinn  einer  Relation,  in  diesem
            
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