Full text : Wirtschaft als Leben

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,Zur  sozialwissenschaftlichen  Begriffsbildung“,

Handelns“  ist  aber  beileibe  nicht  als  eine  Summierung  von  „Geschichte“
und  „Gesellschaft“  zu  vermeinen;  für  die  letzteren  Totalitäten  bedeutet
sie  den  gemeinsamen  Mutterboden,  in  welchem  diese  noch  unentwickelt
ruhen  1  Es  muß  erst  die  spezifische  Auffassungsweise  Platz  greifen,  die
sich  einerseits  in  der  Geschichts-,  andererseits  in  der  Sozialwissenschaft
auslebt;  dann  erst  stellt  sich  uns  die  nämliche  „Welt  des  Handelns“
dort  als  „Geschichte“,  hier  als  „Gesellschaft“  dar.
Soweit  reicht  also  immer  noch  die  Gemeinschaft  der  beiden
Disziplinen,  daß  sie  einträchtig  vor  dem  Allzusammenhang  des  multipolaren ­
  Geschehens,  vor  der  „Welt  des  Handelns“  stehen.  Beiden  erwächst ­
  auch  die  Aufgabe,  diesen  idealen  Geschehenszusammenhang,
der  eben  bloß  in  unserer  Vorstellung  lebt,  irgendwie  für  unsere  Erkenntnis ­
  zu  realisieren.  Im  Prinzipe  liegt  die  Lösung  dieser  Aufgabe
recht  nahe:  für  das  Geschehen  tauscht  man  Tatsachen  ein,  sein
Zusammenhang  aber  kann  nur  als  ein  kausaler  erfaßt  werden,  gemäß
der  Eigenart  unseres  Denkens.  Natürlich  stellt  man  hier  noetische
Tatsachen  fest  und  hat  sie  im  Geiste  der  noetischen  Kausalität  zu  verknüpfen. ­
  Der  Umsatz  in  Erkenntnis  vollzieht  sich  also  notwendig  so,
daß  man  einen  Kausalzusammenhang  von  Tatsachen  erarbeitet. ­
  Es  darf  vorläufig  unerörtert  bleiben,  an  der  Hand  welcher
Methoden,  und  so  auch,  in  welcher  näheren  Form  der  Begriffe  dies
geschehen  soll:  ob  nämlich  dieser  Kausalzusammenhang  im  einzelnen
als  „Gesetz“  oder  als  „Individuum“  zu  gestalten  sei.  Soviel  ist  sicher,
wäre  dieser  Umsatz  in  Erkenntnis  als  ein  einheitlicher  möglich,  könnte
man  hier  einen  Kausalzusammenhang  von  Tatsachen  erarbeiten,  über
den  hinaus  es  keine  weitere  Erkenntnis  gäbe  —  davon  natürlich  abgesehen, ­
  daß  seiner  eigenen  Ausgestaltung  niemals  eine  Grenze  gesetzt
sein  kann  —  dann  wäre  auch  bloß  eine  einzige  Wissenschaft  der
noetischen  Erfahrung  möglich.
In  Wahrheit  sind  es  aber  zwei  Wege,  die  sich  unserer  Erkenntnis ­
  hier  eröffnen;  den  einen  schlägt  die  Sozialwissenschaft,  den  anderen ­
  die  Geschichte  ein.  So  treten  diese  beiden  Disziplinen  erst
hier  in  Gegensatz  zueinander,  erst  in  der  Relation  auf  die
ideale  Totalität  des  empirisch  Wirklichen,  die  ihnen
noch  gemeinsam  vorschwebt:  auf  die  „Welt  des  Handelns“.  Die
letztere  ist  dabei  etwas  durchaus  Eigenartiges,  verglichen  mit  den
idealen  Totalitäten  des  empirisch  Wirklichen,  die  sich  sonst  noch
bilden  lassen,  z.  B.  als  „Natur“,  oder  „Psyche“,  oder  „organisches
Leben“.  Denn  in  ihrer,  hier  nur  schlagwörtlich  angedeuteten  Eigenschaft, ­
  als  der  Allzusammenhang  des  multipolaren  Geschehens,  stellt
die  „Welt  des  Handelns“  die  spezifische  Verflechtung  eines  Ge ­
            
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