Abschnitt II.
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„— Besonders auffällig ist die Enge der Auffassung in der Lehre vom
Werte. Man hat nach der Ursache, nach dem Ursprünge des Wertes gefragt.
Man hat darauf die Antwort gegeben, der Wert entstehe nur aus der Arbeit,
ja sogar aus einer besonderen Art von Arbeit. Es wurde behauptet, die
Arbeit allein habe Wert, allen Gütern komme die Qualität des Wertes nur
nach Maßgabe des Quantums an Arbeit zu, welches zu ihrer Erzeugung not
wendig gewesen. Nun ringt sich allmählich die Überzeugung durch, daß der
Wert nicht nach dem Quantum der auf das Gut verwendeten Arbeit dem
Gute anhafte und es im Grunde für den Wert des Gutes gleichgültig sei,
ob viel oder wenig Arbeit dazu verwendet worden.“
(v. Gans-Ludassy, „Wirtschaftl. Energie“, 93, S. 292.)
,,— Viel tiefer gehen in die Wertlehre die Sozialisten ein, welche
(Proudhon, Karl Marx, Lassalle) dem Werte eine dominierende Stellung für
die Wissenschaft anweisen! — Die Ergründung des Wertes ist sogar die
dankbarste Aufgabe der Nationalökonomie.“
(Schäffle, Gesellschaftl. System I, 163.)
„Auf dem Gebiete der wissenschaftlichen Forschung über den Wert hat
sich in neuester Zeit eine Klärung der Ansichten ergeben, welche als die
Voraussetzung für die endliche Entschleierung des bisher ungelösten Rätsels
vom Werte anzusehen ist.“ (v. Komorzynski, a. a. O. im Vorwort.)
„Ich bin der Meinung, daß dieses Rätsel längst gelöst, — daß das
Problem des Wertes seine, zwar in Einzelheiten mangelhafte, im großen und
ganzen aber befriedigende endgültige und unangreifbare Beantwortung durch
Ricardo gefunden hat.“
(Dietzel, D. klass. Werttheorie usw. Hild. Conr. JB. 90, S. 562.)
Wie man bemerkt, können sich sogar entschiedene Widerspruche
in genau der gleichen Form bewegen. Außer Streit und ohne Wider
spruch dürfte übrigens kaum eine unter diesen Aussagen geblieben sein.
Einen grundsätzlichen Anstoß aber nimmt niemand daran. Nun
erweisen sich jedoch alle diese Aussagen nur dann von Sinn und Ver
stand, sobald man ihnen den fraglichen Gedanken als eine stille Voraus
setzung unterschiebt. Jede einzelne unter ihnen wird deshalb zum
Beweis dafür, daß innerhalb der sogenannten Wertlehre wirklich im
Einklänge mit dem fraglichen Gedanken gedacht wird, obzwar dieser
für sich selber das Ungedachte bleibt.
Soweit der Beweis an der Hand ausdrücklicher Belege. Die
schlagendste Beweisführung aber, die sich hier eröffnet, bedarf gar
keiner Belege. Denn sie fußt auf einer Tatsache auf, die ohnehin
jedermann in die Augen springen muß, der auch nur den flüchtigsten
Einblick in die „Wertlehre“ tut. Dieser Tatsache ist schon in der