Geschichte und Sozialwissenschaft.
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die Wiederkehr gerade so, als ob dies ein starrer, mit dem Objekt
verwachsener Gegensatz wäre, den unser Denken einfach hinzunehmen
hat. Da und da träte eben Wiederkehr, dort und dort Wechsel des
Geschehens in Wirklichkeit. Man übersieht es gänzlich, daß die Fest
stellung des Wechsels oder der Wiederkehr jedesmal zugleich eine
Funktion unseres Denkens ist. Nur weil wir mit ganz be
stimmten Begriffen an die Wirklichkeit herangetreten sind, war hier
ein Wechsel, dort eine Wiederkehr im Geschehen festzustellen I Wer
also diese Verhältnisse, und so den fraglichen Gegensatz überhaupt
starr mit dem Objekte verwachsen glaubt, dem entgeht dieses not
wendige Dazwischentreten unserer Begriffe; mit anderen Worten, er
nimmt die Begriffe, in denen wir über die Wirklichkeit denken,
schon für die Wirklichkeit selber, er begeht also Begriffs-
realismus. Dieser Denkfehler steckt auch in der erwähnten ge
schichtsphilosophischen Konstruktion.
Man darf aber die Labilität des Gegensatzes nicht dahin miß
verstehen, daß es auf reine Willkür hinausläuft, hier Wechsel, dort
Wiederkehr im Geschehen festzustellen. Ist diese Feststellung einer
seits eine Funktion unseres Denkens, so doch auch eine Funktion des
Objektes; das heißt, unser Denken ist auch durch das Anschauliche
zu dieser Feststellung verbunden. Haben wir uns einmal für be
stimmte Begriffe entschieden, nach denen wir die Wirklichkeit er
fassen, dann hängt es von der Wirklichkeit ab, wo eine Wiederkehr
und wo ein Wechsel im Geschehen sich feststellen läßt. Nur für
das Erste sind wir frei, beim Zweiten Knechtei Natürlich könnte
man an dem Einfluß, den die Wirklichkeit hier ausübt, gar nicht
rütteln; geht er doch vom Objekt aus, von dem unserem Denken
Gesetzten, ihm wahrhaft „Gegenständlichen“. Wohl aber verknüpft
es sich mit der vielerwähnten Labilität des Gegensatzes, daß uns
etwas anderes freisteht: wir können die Abhängigkeit, in der sich die
Feststellung von den Begriffen her befindet, auch umkehren. Es darf
zu unserer Absicht werden, ausschließlich Wiederkehr
oder ebenso ausschließlich Wechsel im Geschehen festzu
stellen. Das Objekt kehrt sich an solche Absichten freilich nicht; um
also dem Objekt keine Gewalt anzutun, müssen dann die erfassenden
Begriffe danach ausgewählt werden, daß wir das eine Mal überallhin
Wiederkehr, dann wieder überallhin Wechsel festzustellen vermögen.
Damit werden aber zwei Spielarten absehbar, wie sich zusammen
hängendes Geschehen einheitlich bewältigen läßt; und so führt die
Labilität jenes Gegensatzes schließlich zu zwei Gesichtspunkten,