Full text : Wirtschaft als Leben

Geschichte  und  Sozialwissenschaft.

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hänge  erklärend  zurückführt;  das  will  sagen,  sobald  man  nicht  einfach
Tatsachen  feststellt,  sondern  einen  Kausalzusammenhang  von
Tatsachen  erarbeiten  will.  Dann  vertieft  sich  der  Abstand  zwischen
den  beiden  Weisen  der  Betrachtung  1  Bei  jener,  die  uns  die  Wiederkehr ­
  im  Geschehen  vor  Augen  bringt,  ist  es  das  Geschehende  in  der
Beziehungsform  seiner  Wiederkehr,  kürzend  gesagt,  ist  es  also  die
Wiederkehr,  was  wir  auf  den  Zusammenhang  im  Geschehen  zurückzuführen ­
  suchen,  um  es  damit  zu  „erklären“;  im  anderen  Falle  ist  dies
hingegen  der  Wechsel  im  Geschehen.  Ergibt  sich  nun,  daß  uns
die  Kausalerklärung  der  Wiederkehr  im  Geschehen  vor  eine  ganz  andere
Aufgabe  stellt  als  die  Kausalerklärung  des  Wechsels  im  Geschehen,
dann  sind  die  beiden  Betrachtungsweisen  tatsächlich  nicht  mehr  in
einer  einzigen  Disziplin  vereinbar;  denn  unter  diesen  Umständen
arbeitet  man  da  und  dort  je  auf  einen  ganz  anderen  Kausalzusammenhang ­
  von  Tatsachen  hinaus.  Hier  wäre  der  Punkt  erreicht,  wo  sich
die  Verschiedenheit  ihrer  Kompositionsprinzipien,  und  somit  die  eigentliche ­
  Scheidung  zwischen  Geschichte  und  Sozialwissenschaft  einsehen
läßt.  Eigentümlicherweise  ist  es  klipp  und  klar  die  Frage  der
Kausalerklärung,  die  unser  Problem  zu  lösen  verheißt  —  während
man  doch  der  Geschichte  so  oft  vorwirft,  daß  sie  bloß  Tatsachen  aufhäuft, ­
  ohne  sie  „erklären“  zu  können,  und  wo  man  andererseits  aus
der  Not  dieses  Angriffs  die  Tugend  einer  Abwehr  zu  machen  sucht,
und  es  unseren  Disziplinen  gelegentlich  als  ihr  Wesen  aufredet,  daß
„ihnen  alle  Kausalerklärung  fremd“  bleibe.
Es  sei  hier  eingeschaltet,  daß  es  sogar  dann  noch  verhältnismäßig
leicht  fällt,  von  der  einen  Betrachtungsweise  auf  die  andere  abzuspringen, ­
  sobald  die  Kausalerklärung  einbezogen  wird.  Halten  sich
doch  beide  Arten  der  Beschauung  im  Rahmen  einer  und  derselben,
der  noetischen  Denkweise!  So  haftet  der  Blick  an  der  nämlichen
Wirklichkeit,  da  wie  dort,  und  mindestens  im  Prinzipe  arbeitet  das  Erkennen ­
  in  beiden  Fällen  mit  dem  gleichen  begrifflichen  Apparat.  Besonders ­
  die  Forschung  in  den  beiden  Disziplinen  kann  nicht  dazu
verhalten  sein,  sich  ausschließlich  immer  nur  der  einen  dieser  Betrachtungsweisen ­
  zu  bedienen.  So  nahe  verwandte  Disziplinen  trennen
sich  überhaupt  mehr  in  der  Idee,  jede  als  eine  in  Einheit  gedachte
Zusammenfassung,  ein  „System“  von  Ergebnissen.  In  der  Praxis  des
Forschens  aber  wird  es  nicht  bloß  eintreten,  daß  jede  der  beiden
Disziplinen  von  den  Ergebnissen  der  anderen  zehrt;  dies  ist  ja  selbst
zwischen  ganz  fremden  Erkenntnisgebieten  möglich,  es  verbietet  sich
bloß  in  Ausnahmefällen.  Hier  aber  wird  jede  der  beiden  Disziplinen
gelegentlich  sogar  die  Betrachtungsweise  der  anderen  pflegen.  Im
            
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