Full text : Wirtschaft als Leben

Geschichte  und  Sozialwissenschaft.

589

die  Wiederkehr  gerade  so,  als  ob  dies  ein  starrer,  mit  dem  Objekt
verwachsener  Gegensatz  wäre,  den  unser  Denken  einfach  hinzunehmen
hat.  Da  und  da  träte  eben  Wiederkehr,  dort  und  dort  Wechsel  des
Geschehens  in  Wirklichkeit.  Man  übersieht  es  gänzlich,  daß  die  Feststellung ­
  des  Wechsels  oder  der  Wiederkehr  jedesmal  zugleich  eine
Funktion  unseres  Denkens  ist.  Nur  weil  wir  mit  ganz  bestimmten ­
  Begriffen  an  die  Wirklichkeit  herangetreten  sind,  war  hier
ein  Wechsel,  dort  eine  Wiederkehr  im  Geschehen  festzustellen  I  Wer
also  diese  Verhältnisse,  und  so  den  fraglichen  Gegensatz  überhaupt
starr  mit  dem  Objekte  verwachsen  glaubt,  dem  entgeht  dieses  notwendige ­
  Dazwischentreten  unserer  Begriffe;  mit  anderen  Worten,  er
nimmt  die  Begriffe,  in  denen  wir  über  die  Wirklichkeit  denken,
schon  für  die  Wirklichkeit  selber,  er  begeht  also  Begriffsrealismus.
  Dieser  Denkfehler  steckt  auch  in  der  erwähnten  geschichtsphilosophischen ­
  Konstruktion.
Man  darf  aber  die  Labilität  des  Gegensatzes  nicht  dahin  mißverstehen, ­
  daß  es  auf  reine  Willkür  hinausläuft,  hier  Wechsel,  dort
Wiederkehr  im  Geschehen  festzustellen.  Ist  diese  Feststellung  einerseits ­
  eine  Funktion  unseres  Denkens,  so  doch  auch  eine  Funktion  des
Objektes;  das  heißt,  unser  Denken  ist  auch  durch  das  Anschauliche
zu  dieser  Feststellung  verbunden.  Haben  wir  uns  einmal  für  bestimmte ­
  Begriffe  entschieden,  nach  denen  wir  die  Wirklichkeit  erfassen, ­
  dann  hängt  es  von  der  Wirklichkeit  ab,  wo  eine  Wiederkehr
und  wo  ein  Wechsel  im  Geschehen  sich  feststellen  läßt.  Nur  für
das  Erste  sind  wir  frei,  beim  Zweiten  Knechtei  Natürlich  könnte
man  an  dem  Einfluß,  den  die  Wirklichkeit  hier  ausübt,  gar  nicht
rütteln;  geht  er  doch  vom  Objekt  aus,  von  dem  unserem  Denken
Gesetzten,  ihm  wahrhaft  „Gegenständlichen“.  Wohl  aber  verknüpft
es  sich  mit  der  vielerwähnten  Labilität  des  Gegensatzes,  daß  uns
etwas  anderes  freisteht:  wir  können  die  Abhängigkeit,  in  der  sich  die
Feststellung  von  den  Begriffen  her  befindet,  auch  umkehren.  Es  darf
zu  unserer  Absicht  werden,  ausschließlich  Wiederkehr
oder  ebenso  ausschließlich  Wechsel  im  Geschehen  festzustellen. ­
  Das  Objekt  kehrt  sich  an  solche  Absichten  freilich  nicht;  um
also  dem  Objekt  keine  Gewalt  anzutun,  müssen  dann  die  erfassenden
Begriffe  danach  ausgewählt  werden,  daß  wir  das  eine  Mal  überallhin
Wiederkehr,  dann  wieder  überallhin  Wechsel  festzustellen  vermögen.
Damit  werden  aber  zwei  Spielarten  absehbar,  wie  sich  zusammenhängendes ­
  Geschehen  einheitlich  bewältigen  läßt;  und  so  führt  die
Labilität  jenes  Gegensatzes  schließlich  zu  zwei  Gesichtspunkten,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.