Geschichte und Sozialwissenschaft.
rischen“ Kassation der Tatsachen je besondere Begriffe stellen
werden. So kommt es in methodologischer Hinsicht auch noch zu einer
Sonderung der „sozialen“ Begriffe und Begriffsformen von
den „historischen“. Kurz, im ganzen Vorgehen der beiden Diszi
plinen wird sich je ihr spezifischer Charakter ausprägen, unbeschadet
ihrer engen Verwandtschaft. Hier verrät es sich übrigens, wie sehr es
der Methodologie unserer Disziplinen frommt, wenn man den Schnitt
zwischen ihnen in aller Schärfe zu führen sucht. Denn alles, was Tat
sache, Kausalität und Begriff angeht, läßt sich dann erst bis in die
letzten Feinheiten durcharbeiten.
Es sei nur Eines hervorgehoben: auch die Frage des „grund
begrifflichen“ Denkens in unseren Disziplinen kann hier erst ihrer
rationellen Lösung zugeführt werden. Wir erfahren dann, in welchem
Geiste es überhaupt sozialwissenschaftliche „Grundbegriffe“ gibt, welches
ihre Mission ist, in welchem Verhältnis sie zu anderen Begriffsformen
stehen, und vor allem, wo der sichere Weg zu ihrem Inhalt geht.
Es ist ja klar, so lange wir nicht über die Form des „grundbegriff
lichen“ Denkens im reinen sind, kann es auch inhaltlich nicht
zur Ruhe kommenl Jedermann weiß, wie kläglich es damit in
unserer Wissenschaft bestellt ist. Niemand aber scheint sich eingestehen
zu wollen, daß wir zu eigentlichen „Grundbegriffen“ noch gar nicht
gelangt sind; vorläufig sind nur „Gr und Worte“ da, um die sich
hundert Definitionen bemühen — „Herrschaft des Wortes“ i
Schließlich sei noch jenes fundamentalen Problems unserer Methodo
logie gedacht, das dann ebenfalls seine Lösung finden muß. Für den
allerdings, der in der Sozialwissenschaft nur eine „Gesetze“ suchende
Wissenschaft erblickt, existiert dieses Problem überhaupt nicht. Tat
sächlich ist aber in unserer Wissenschaft Spielraum für beiderlei
Erkenntnis vorhanden, sowohl für jene, die sich das Allgemeine, wie
für jene, die sich das Besondere als Ziel setzt. Es läßt sich sogar
zeigen, daß innerhalb der Sozialwissenschaft eher noch die idio-
graphische Erkenntnis den Vorrang beanspruchen darfl Für diese
Wissenschaft treffen nämlich die Voraussetzungen, an welche die An
wendung des idiographischen Verfahrens gebunden ist, in vorbild
licher Weise zu. Es sind die Allgemeinbegriffe vorhanden, die übrigens
gerade in diesem Zusammenhang mehr nur als Mittel zum Zweck er
scheinen; auch liegt hier in der denkbar vollendetsten Gestalt ein
Allzusammenhang vor, der alles auf alles beziehbar macht; und
schließlich ist auch in bezug auf die dritte Voraussetzung, nämlich für
ein Prinzip der Auswahl, in der besten Weise gesorgt. Da hier das
Geschehen unablässig auf seine eigenen Gebilde bezogen wird, fehlt es