Nationalökonomische Erläuterung, V.
6i5
vereinzelten Handlungen gegeneinander im Spiele wähnt. Dort z. B.,
wo der Tausch fehlt, wird dann einfach der „innere“ Tausch in das
Wirtschaftstreiben hineingesehen, usw. Auf der anderen Seite ist es
ganz gut verständlich, wie die „klassische“ Schule dazu kam, an dem
Zaubertränklein just dieser Auffassung zu brauen. Ihr drängte sich die
„erwerbswirtschaftliche“, als die gerade noch im Status nascendi be
findliche Verfassung damaligen Wirtschaftslebens, besonders wuchtig
auf; überdies wußte sie die gemeine Erfahrung in der Hauptsache nur
mit börsenmäßiger Erfahrung empirisch zu unterfüttern.
Wie nachhaltig die „klassische“ Auffassungsweise darin wirkt, das
theoretische Denken innerlich hörig zu machen der „Erwerbswirtschaft“,
dafür liefert Karl Marx ein Beispiel. Seine Kritik heutiger Wirtschaft
bewegt sich vornehmlich im Zuge eines Problems, das wie kein zweites
der „klassischen“ Auffassung spottet. Schlechtweg ein Problem ist es
gar nicht, denn es hebt gleich eine Fülle bedeutsamer Probleme in sich
auf, Probleme nämlich aus den Grenzgebieten der Sozialwissenschaften
untereinander, und in die Ethik hinein. Diese Probleme leiden keines
wegs an peripherischer Verflachung; denn gerade dort, im Grenzbereich,
wachsen die verschiedenen Erkenntnisarten, die gegenüber dem mensch
lichen Zusammenleben möglich sind, in der Bedeutung ihrer Probleme
förmlich aneinander empor, gleichwie Flammen bei ihrer Berührung
auflodern. Unter jenen Vorbehalten aber darf man es immerhin ein
nationalökonomisches Problem nennen und als das Scheitelproblem
unserer Wissenschaft erachten, dieses gewaltige Problem des Wirtschafts
schicksals der Menschen und ihrer Gemeinschaften! Marx selber rollt
das Problem ganz einseitig auf; das ist seine Sache. Auch so aber
mußte ihn die Wucht dieses Problems hinausreißen über die Denk
weise herkömmlicher Theorie. Denn in der „Güterlehre“ findet dieses
Problem keinen Platz; das hieße, den Stier in die Hühnersteige sperren.
Rein nur die quantitativen Ausläufer des Problems, Einkommensfragen
usw., zwängen sich dem Gedankengang dieser Theorie gerade noch
ein, als „Lehre von der Verteilung der Güter“. Das Problem selber
atmet allwirtschaftliche Auffassung; für diese spielt eben das Menschen
schicksal, soweit es von der Wirtschaft her bedingt ist, nicht auch nur
eine lockere Begleiterscheinung der Güterschicksale, wie in der „Güter
lehre“. So könnte man erwarten, daß der Schwung jenes Problems
ganz von selber auch alle die geheimen Fesseln sprengt, die ganze
erwerbswirtschaftliche“ Vernagelung des Denkens überwindet. In
hundert Gedankengängen nebenher ringt sich Karl Marx auch frei
von dieser Beschränktheit der herkömmlichen Theorie. Im Kern jedoch,
gerade vom streng theoretischen Standpunkt aus, da stellt er doch nur